ergonomic

Schmerzen durch falsch eingerichteten Arbeitsplatz.

Tipps für einen gesunden Arbeitsplatz

Gesundheit Bandscheibendrehstühle oder Stehtische in den verschiedensten Variationen. Hilfsmittel für einen ergonomisch optimal gestalteten Arbeitsplatz gibt es genug. Eine Anschaffung, die sich lohnen kann – sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber.

Matthias Mehl

In unseren eigenen vier Wänden machen wir es uns gerne gemütlich. Das Sofa im Wohnzimmer muss nicht nur besonders nett aussehen, sondern es muss auch unseren höchsten Liegekomfortvorstellungen entsprechen. In den Fernsehsessel muss man sich beim Betrachten der abendlichen Lieblingsserie förmlich hineinschmiegen können. Und das Bett muss ohnehin allen Gemütlichkeitsansprüchen genügen. Ja, sogar das Licht muss die richtige Stärke haben und kleinere oder grössere Dekor-Elemente sollen uns das Wohngefühl noch zusätzlich versüssen. Schliesslich soll das eigene Zuhause eine Oase der Ruhe, Erholung und Zufriedenheit sein, wenn man abends von einem anstrengenden Tag am Arbeitsplatz zurückkehrt.

Dumm nur, dass wir an ebendiesem Arbeitsplatz oft mehr Zeit verbringen als Zuhause. Dementsprechend wäre es nur logisch, dass der ergonomische Komfortgedanke im Büro ebenso wichtig ist, wie jener Zuhause. Denn wer im Büro Stunde um Stunde vor dem Computer absitzt, kann schnell zum Opfer typischer Bürobeschwerden wie Kopfweh, Rücken- und Nackenschmerzen, Augenleiden oder gar Sehnenscheidenentzündungen werden. Doch was bedeutet Ergonomie am Arbeitsplatz überhaupt? Oder anders gefragt: Worauf muss bei einer ergonomischen Arbeitsgestaltung geachtet werden, um ebendiese unerwünschten Folgeschäden tunlichst zu vermeiden? Ein Überblick.

Das Bewusstsein der Arbeitgeber, dass sie für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden mitverantwortlich sind, ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Individuelle Anpassungsfähigkeit

Gemäss diversen Ratgebern gibt es auf dem Weg zu einem ergonomisch optimal gestalteten Büroplatz vier grundlegende Punkte zu beachten. Wichtig ist demnach eine passende Einstellung von Bürostuhl, Tisch- respektive Arbeitshöhe, Bildschirm und Tastatur sowie der Luft- und Lichtverhältnisse, dem sogenannten Raumklima. Bei der Auswahl der Büromöbel, die all diese Punkte möglichst einwandfrei erfüllen sollen, herrscht wie so oft die Qual der Wahl.

Laut Experten ist beim Kauf von ergonomisch sinnvollem Büroeinrichtungsmaterial jedoch vor allem auf eines zu achten: auf die individuelle Anpassungsfähigkeit des jeweiligen Objekts. Will heissen, dass zum Beispiel bei Drehstuhlmodellen – auch den preiswerteren Ausführungen – immer darauf geachtet werden muss, dass sowohl Rückenlehne als auch Sitzfläche verstellbar sind.

Selbstverständlich gibt es auch Spezialausführungen, wie zum Beispiel die sogenannten Bandscheiben-Drehstühle mit speziellen Stützfunktionen für eine gezielte Entlastung der Wirbelsäule. Solche Spezialmodelle eignen sich laut Experten hauptsächlich für besonders empfindliche Dauersitzer. Im Pult- respektive Tischbereich liegt derweil nach wie vor das Prinzip des Steharbeitsplatzes im Trend.

Eine ergonomisch korrekte Einrichtung des Arbeitsplatzes ist beinahe ausnahmslos mit Kosten seitens des Arbeitgebers verbunden. Kosten, die sich aber sehr wohl lohnen. Diese Einsicht hat sich im Laufe der vergangenen Jahre auch mehr und mehr durchgesetzt, wie der Zürcher Ergotherapeut und Ergonom Matthias Emmenegger in einem Interview mit dem Magazin «Context» des Kaufmännischen Verbands erklärte. «Das Bewusstsein der Arbeitgeber, dass sie für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden mitverantwortlich sind, ist in den letzten Jahren stetig gewachsen», sagt er.

Eine der grössten Herausforderungen der kommenden Jahre sieht Emmenegger derweil in der immer grösser werdenden Arbeitsbelastung der Mitarbeitenden. «Denn wenn die Arbeitsbelastung per se zu gross ist, nützt es letztlich wenig, nur den Bürostuhl richtig einzustellen», sagte er im angesprochenen Interview weiter. So gäbe es heute viele Angestellte, die den grossen Teil ihrer Arbeitszeit vor dem Computer verbringen und immer wieder dieselbe Handbewegungen machen würden. Wie zum Beispiel Angestellte im Datenerfassungsbereich.

Arbeitsplatz Ergonomie

Mischtätigkeiten würden immer mehr abhanden kommen, erklärt der Ergonom. Und genau hier müsse die Ergonomie ansetzen und Möglichkeiten bieten, damit diese Angestellten sich auch mal bewegen könnten. Möglich wäre dies zum Beispiel, so Emmenegger weiter, mit Angeboten, die im Alltag eingebaut werden könnten und somit die Verhältnisse am Arbeitsplatz optimieren würden. Konkret denkt der Experte da unter anderem an Arbeitsplätze, an denen beispielsweise die Papeterie so plaziert sei, dass die Post im Stehen erledigt werden könne oder, dass man Berichte und dergleichen schlicht und einfach an einem Stehpult lesen würde.

Win-Win-Situation

Ergonomie am Arbeitsplatz ist derweil beileibe nicht bloss ein Thema für Büroangestellte. Ganz im Gegenteil. Gerade auch in Berufen mit körperlich herausfordernden Arbeiten ist der Blick auf die Ergonomie von zentraler Bedeutung. Hier hinein spielt zum Beispiel das körpergerechte Heben und Tragen von Lasten oder das Vermeiden von unnatürlichen Körperhaltungen, den sogenannten Zwangshaltungen.

Kein Zweifel – Ergonomie am Arbeitsplatz hilft ganz grundsätzlich, eine gute Arbeitsplatzumgebung zu schaffen. Ein Umstand, der sowohl im Sinne des Arbeitnehmers als auch des Arbeitgebers sein sollte. Denn Angestellte, die sich bei der Arbeit wohl fühlen, erzielen die gewünschte Produktivität und tragen zu einem guten und gesunden Betriebsklima bei.