Brainstoming Gruoup of people Working Concept

Im Land der Erfinder

Technologie Die Schweiz ist eines der innovativsten Länder überhaupt. Dass sie sich jedes Jahr einen Spitzenplatz in Innovationsrankings sichert, hat die Schweiz mehreren Faktoren zu verdanken. Weshalb ist das Land für Jungunternehmer attraktiv, mit welchen Schwierigkeiten haben diese zu kämpfen und wie werden Start-ups hierzulande unterstützt?

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Sackmesser, Cellophan und Reissverschluss – alles verrückte Ideen, die unseren Alltag heute ungemein erleichtern und Weltruhm erlangt haben. Die dahinterstehenden Firmen waren selbst einst Jungunternehmen. Dass Schweizer findige Gemüter sind, zeigt sich nicht nur in den Erfindungen, sondern schlägt sich auch in Studien und Statistiken nieder.

Kein Land ist so erfinderisch, wie die Schweiz

In keinem anderen Land werden mehr Patente pro Kopf angemeldet als in der Schweiz. Im Jahr 2016 gelingt es der Schweiz um sechsten Mal in Folge den ersten Platz des Global Innovation Index zu erreichen. Auch beim European Innovation Scoreboard 2016 der EU-Kommission ist die Schweiz Innovationsführerin.

 

Attraktivität Unternehmensstandort Schweiz

Allein im ersten Halbjahr 2016 liessen sich schweizweit rund 21’158 Firmen ins Handelsregister eintragen. Die Neueintragungen haben gegenüber dem 1. Halbjahr 2015 um zwei Prozent zugenommen, wie der Wirtschaftsinformationsdienst «Bisnode D&B Schweiz AG» verlauten lässt.
Trotz Frankenstärke ist die Schweiz als Unternehmensstandort attraktiv. Dazu trägt einerseits die Nähe zu erstrangigen Forschungs- und Bildungseinrichtungen bei, andererseits die hohe Lebensqualität und vor allem die politische Stabilität des Landes. Für Walter Regli, CEO der Unternehmensgründungsplattform «startups.ch», sind zwei weitere Faktoren relevant: «In der Schweiz gibt es viele Gefässe, die Jungunternehmen ihre Unterstützung anbieten, zudem haben wir hierzulande eine tiefe Arbeitslosigkeit».

 

Business man holding a gold Trophy

Ruhm und Ehre

Zu einem dieser Gefässe zählen die zahlreichen Jungunternehmerpreise. In der Schweiz sind dies zurzeit 20 an der Zahl. Darunter die «SWISS STARTUPS AWARDS», der AXA Innovation Award sowie der PostFinance Digital Business Award. Daneben existieren regionale, internationale und branchenspezifische Auszeichnungen. Beispielsweise in der Gastronomie oder dem Tourismus. Die Preise werden von Stiftungen und nicht-gewinnorientierten Vereinen vergeben.

 

Der Bund greift unter die Arme

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Unterstützung auf Bundesebene. Für die Unterstützung von Jungunternehmen ist die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) zuständig. Die KTI unterstützt die wissenschaftsbasierte Innovation und damit die Entwicklung neuer Produkte, Verfahren, Prozesse und Dienstleistungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Dies geschieht durch die anwendungsorientierte Forschung und die Verwertung ihrer Resultate.

 

Innovatives fördern

Im Jahr 2015 hat der Bund insgesamt 10.1 Millionen Franken für «Start-up und Unternehmertum» ausgegeben. Konkret heisst das, dass die KTI drei Förderprogramme für Jungunternehmen anbietet. Erstens den «CTI Entrepreneurship», der in vier Module aufgeteilt ist, in denen es um die Entwicklung von Geschäftsideen, um die Unternehmensgründung und um das Ausarbeiten von Wachstumsstrategien geht. Zweitens werden im Rahmen des «CTI Start-up» Coaches zur Verfügung gestellt, die Jungunternehmer beraten und ihnen während des Gründungsprozesses zur Seite stehen. Drittens besteht die Möglichkeit an Internationalisierungscamps, dem so genannten CTI «Market Entry Camp» teilzunehmen, sofern man mit seinem Start-up in internationale Märkte eintreten möchte. Nebst den eigenen Kursen und Modulen unterstützt der Bund Technoparks, Netzwerk-Plattformen und Workshops finanziell, sofern diese einen entsprechenden Mehrwert bieten können.

 

Zusätzliche Geldquellen finden

Die Unterstützungen des Bundes stellen eine Möglichkeit dar, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weitaus wichtiger für die meisten Start-ups ist es aber, interessierte Investoren zu finden, die bereit sind Zeit und Geld in ein Jungunternehmen zu investieren. Dies ist beim sogenannten Wagniskapital, auch «Venture Capital» genannt, der Fall. Es handelt sich hierbei um Eigenkapital von Finanzgesellschaften, das in neu gegründete Unternehmen investiert wird. Der Empfänger des Risiko-Kapitals ist nicht zur Rückzahlung verpflichtet. Venture Capital ermöglicht Jungunternehmen zum Beispiel zusätzliches Personal einzustellen, Marketing zu betreiben oder in internationale Märkte vorzudringen.

 

Male and female business partners nurturing a new plant

 Wer wagt, gewinnt! – vielleicht

Risikokapital-Gesellschaften erhoffen sich durch ihre finanzielle Unterstützung grosse Umsätze, falls das entsprechende Unternehmen erfolgreich ist. Zudem sichern sich Risikokapital-Gesellschaften Mitspracherechte, wodurch sie dem Management mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da das finanzielle Risiko bei einer Investition in ein Start-up sehr hoch ist, wählen Investoren sorgfältig aus – entsprechend schwierig ist es, willige Geldgeber zu finden. Die Herausforderung auf Seiten der Jungunternehmer besteht folglich darin, potentielle Anleger von der Geschäftsidee zu überzeugen.

 

Engel auf Erden

Business Angels sind Privatpersonen, die Geld, Zeit oder Know-how aus der entsprechenden Branche mitbringen und in junge Unternehmen investieren. Sie bringen sich in der Regel in der Anfangsphase in ein Unternehmen ein und investieren kleinere Summen, als die Risikokapital-Gesellschaften. Meistens sind Business Angels selber ehemalige Unternehmer oder Firmengründer, die ihr Unternehmen verkauft haben oder durch den Gang an die Börse Unternehmenskapital gewonnen haben. Sie verfügen über Netzwerke zu anderen für das Start-up äusserst wichtige Firmen.

 

Das Internet als Inspirationsquelle

Gemäss Walter Regli, CEO von startups.ch, hätten Dienstleistungen im Internet viel Potential. Zum einen seien diese materiell gesehen viel günstiger, als wenn man zum Beispiel im Bereich Robotertechnik tätig wäre. Zum anderen könne man sich mit geringem Aufwand Inspiration aus anderen Ländern holen und sehen, was dort ankommt und ob man es auf die Schweiz übertragen könne.

 

Confused businessman staring at scribble on wall

Herausforderungen für Schweizer Start-ups

Ein Unternehmen zu gründen ist in der Schweiz relativ einfach. Die Schwierigkeiten lägen laut Walter Regli vor allem in der Finanzierung. Wichtig sei auch, die ganzen Aufwände rund herum nicht zu vergessen, wie die Administration, das Personalwesen und das Marketing. «Man darf sich nicht verzetteln und muss fokussiert bleiben», so Regli weiter. Die soziale Unterstützung von der Familie und den Freunden habe einen hohen Stellenwert. «Man sollte sich bei der Gründung vertraglich absichern, falls jemand aus dem Gründerteam austreten möchte damit nicht die ganze Firma lahmgelegt wird», empfiehlt Start-up-Experte Regli.

 

Wer Konkurs geht, ist oft für lange Zeit gebrandmarkt

Angst vor Misserfolg

Die neueste Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B Schweiz AG zeigt, dass im ersten Halbjahr 2016 ein Drittel aller Pleitefirmen Jungunternehmen zwischen null bis drei Jahren betreffen. Start-ups scheinen also besonders betroffen zu sein. Walter Regli nimmt an, dass viele Jungunternehmer ihr Business im Nebenerwerb starten und sich deshalb die hohe Anzahl an Konkursen daraus ergebe. «Die Schweizer Bevölkerung hat eine tiefe Risikobereitschaft, weshalb Ideen häufig zu Beginn im Nebenerwerb angegangen werden. Eine Idee aus dem Nebenerwerb profitabel umzusetzen ist aber eine noch grössere Herausforderung, als die Selbstständigkeit sonst schon ist. Häufig erhalten Neugründer auch lukrative Jobangebote aus ihrem Netzwerk und geben deshalb ihre Firma wieder auf», antwortet er auf die Frage, warum rund ein Drittel aller Firmenpleiten in der Schweiz junge Unternehmen betreffen.

Eine Umfrage von ehemaligen Kunden von startups.ch zeige zudem, dass die grösste Hürde für Jungunternehmen die Angst vor einem Misserfolg ist. «Wer in der Schweiz mit einem Unternehmen Konkurs geht, der ist oft für lange Zeit gebrandmarkt», führt Walter Regli fort. Dies sei in den USA anders, dort gehöre Scheitern einfach dazu.

 

Drei zündende Ideen

Sitzen ohne Stuhl

Der «Chairless Chair» ist eine Tragbare Sitzkonstruktion, die an den Beinen festgeschnallt wird. Mit diesem Exoskelett ist es möglich, frei herumzugehen und wenn man sich setzen möchte, biegt man die Beine in die gewünschte Position. Danach drückt man einen Knopf, um die gewünschte Sitzposition halten zu können. Dadurch werden die Beine kurzfristig entlastet und die Beinmuskulatur weniger stark beansprucht – ganz ohne Beinmuskulatur funktioniert es aber trotzdem nicht, denn die braucht man um das Gleichgewicht zu halten.

Die Noonee AG, welche den Chairless Chair entwickelt hat, wurde im Oktober 2014 gegründet. Ihr Produkt wurde ursprünglich für Fabrikpersonal konstruiert. Das erste Unternehmen, das den Prototypen des Chairless Chair getestet hat, war der deutsche Autohersteller Audi.

 

Wissen, was man konsumiert

«Codecheck.info» ist ein Online-Produkthandbuch, das Informationen zur Zusammensetzung von Lebensmitteln, Kosmetika oder auch Hygieneartikel enthält. Die Datenbank enthält ausserdem Fachinformationen und Expertenmeinungen, falls Testberichte oder Informationen zu Marken oder einem Produkt vorhanden sind. Die Produkttests stammen von Verbrauchermagazinen wie Ökotest und Stiftung Warentest. Weiter enthält Codecheck.info ein Verbraucherforum, auf dem sich Verbraucher austauschen und ebenfalls Bewertungen abgeben können. Via App ist es möglich die Barcodes der Produkte direkt einlesen zu lassen und so schnell zu detaillierten Informationen zu kommen.

 

Implantat zur Rehabilitierung von Rückenmarksverletzung

Die Schweizerisch-Niederländische Firma G-Therapeutics SA ist ein Spin-off der ETH Lausanne und wurde im Dezember 2014 gegründet. Sie entwickelt Implantate zur Stimulation des Rückenmarks und robotergestützte Trainingsmethoden zur Rehabilitierung von Patienten mit neurologische Störungen und Rückenmarksverletzungen.