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"Big data is not about the data"

Big Data für KMU

Technologie Die grossen Datenmengen bringen für Schweizer KMU ungeahnte Möglichkeiten, um neue Strategien zu entwickeln und den Unternehmenserfolg zu steigern. Doch der Einsatz von „Big Data“ muss geplant werden.

Fabio Schönholzer

Fabio Schönholzer

Vor allem grössere Unternehmen profitieren schon seit geraumer Zeit vom Auswerten grosser Datenmengen, sogenannter Big Data. Nach einer Studie des internationalen Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC verdoppelt sich das weltweite Datenvolumen alle zwei Jahre. Von der Vielzahl an neu gesammelten Informationen können heute auch KMU profitieren.

Smartphones liefern dabei über GPS Daten zum Aufenthaltsort von Personen, Websites speichern die Spuren ihrer Besucher und der elektronische Zahlungsverkehr liefert aufschlussreiche Informationen zum Kaufverhalten.

So entsteht ein konstanter Datenstrom, der wertvolle Informationen enthält, die dank immer leistungsstärkeren Rechenzentren nicht nur im Nachhinein, sondern teilweise sogar in Echtzeit berechnet werden können. Daraus lassen sich Trends, Muster und Prognosen zu Konsumentenverhalten herauslesen. Auch zur Unternehmensstrategie kann dieses neu gewonnene Wissen beitragen.

So können KMU Big Data nutzen

  • Den Trend nicht ignorieren: Die Auswertung von Daten wird in Zukunft immer wichtiger
  • Big Data sinnvoll nutzen: Nicht für alle Unternehmen ist der Einsatz von Big Data vernünftig
  • Klein einsteigen: Oftmals helfen bereits wenige Daten, um aufschlussreiche Einsicht in das Unternehmen oder Kundenverhalten zu erhalten
  • Mieten statt kaufen: Cloud-Lösungen sind besonders für kleine Unternehmen sinnvoller als die Anschaffung teurer Hardware
  • Die Grossen im Auge behalten: Statt einen Alleingang zu wagen, sollte man sich von beim Einsatz von Big Data von grossen Unternehmen inspirieren lassen

Anpassen dank Daten

Grundsätzlich lässt sich Big Data mit einem Erfahrungsschatz vergleichen, den ein Unternehmen während der Geschäftstätigkeit sammelt. Für ein Hotel ist beispielsweise klar, dass während den Sommerzeiten mehr Gäste ein Zimmer suchen. Entsprechend teilt es seine Ressourcen so ein, dass genügend Personal vorhanden ist, um den Service trotz hoher Auslastung zu gewährleisten. Gleichzeitig kann es zu dieser Zeit auch die Preise anpassen, denn die Nachfrage ist da.

Greift das Hotel weiter auf ausreichend eigene oder gar fremde Daten zurück, kann es auch Prognosen zum Kundenverhalten erstellen. Stellt die Hotelführung bei der Auswertung der Daten beispielsweise fest, dass besonders Anfangs Woche nach Feierabend nach Hotelzimmern gesucht wird, kann sie zu dieser Zeit gezielt mit Spezialrabatten werben, um so möglicherweise auch Zimmer ausserhalb der Saison auszulasten.

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Daten bewusst sammeln

Damit Big Data auch Wirkung zeigt, müssen die Datenmengen auch gezielt eingesetzt werden. Das Sammeln von Informationen ist nur dann hilfreich, wenn mit diesen dem Unternehmen auch geholfen werden kann. Doch selbst eine kleine Anzahl an Daten, die sich beispielsweise aus den Bestellungseingängen oder Finanzbuchhaltung entnehmen lassen, können bereits aufschlussreiche Informationen enthalten.

Big data is not about the data

sagt der Politikwissenschaftler und Professor an der Universität von Harvard, Gary King. Denn auch wenn Daten zahlreich vorhanden sind und einfach gesammelt werden können, liegt der wahre Wert in ihrer Auswertung.

Im Gespräch mit der NZZ rät Donald Kossmann vom Institut für Informationssysteme der ETH Zürich, dass Unternehmen zuerst ein konkretes Problem identifizieren müsse. Für dieses solle in einem nächsten Schritt eine hypothetische Lösung gefunden werden. Mit einem solchen Gedankenspiel können Unternehmen in etwa abschätzen, welche Daten sie für die Lösung des Problems benötigen. Zuletzt sollen dann IT-Experten eine geeignete Auswertung der Daten durchführen.

Mieten statt kaufen

Bevor ein KMU jedoch in teure Hardware investiert, um die nötigen Berechnungen durchzuführen, sollte es eine sogenannte Cloud-Lösung in Erwägung ziehen. Dazu gibt es diverse Onlineplattformen, die einfach zu bedienen sind und eine externes Datenmanagement ermöglichen. Diese Dienstleister können auch beratend zur Verfügung stehen, um eine für das Unternehmen geeignete Big-Data-Strategie zu finden.

Dabei erhalten KMU dank der sogenannten Data Democratization auch Zugriff auf Daten ähnlicher Unternehmen, um somit die eigenen gesammelten Informationen zu erweitern. Im stetig wachsenden Datenstrom können sich darum auch KMU treiben lassen, um wertvolle Einsichten zu Konsumentenverhalten und eigenen Strategien zu erhalten.