Umstrukturierung

Oft erlaubt aber das Engagement im Tagesgeschäft dem Unternehmer gar nicht sich über die Nachfolgeregelung gedanken zu machen.

Das grosse Stühlerücken – so bereiten Sie sich vor

Leadership Ein Unternehmer kann noch so versiert in seinem Geschäft sein – wenn es darum geht, sich rechtzeitig mit der Nachfolgeregelung auseinander zu setzen, wird es oft schwierig. Dabei muss man sich vielen, teilweise sehr persönlichen Fragen stellen.

Miriam Dibsdale

Die Zahlen sind eindrücklich. 95 Prozent der über 300 000 KMU in der Schweiz sind Klein- und Kleinstbetriebe. Und mehr als drei Viertel der KMU sind Familienbetriebe. Bis zum Jahr 2018 müssen rund ein Fünftel aller Betriebe die Nachfolge regeln. Keine leichte Aufgabe.

«Es gibt viele Fragen, die ein Unternehmer für sich beantworten muss. Gerade solche, die ein Geschäft in der Familie behalten möchten, brauchen dazu viel Zeit», betont Lieni Füglistaller, Geschäftsführer der Stiftung KMU Next. Die Stiftung, die 2011 gegründet wurde, wird von Raiffeisen und der UBS AG getragen und hat zum Zweck, KMU-Betriebe und Mikrounternehmen bei der Nachfolgethematik zu unterstützen.

«Unser Engagement ist wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Für Start Ups werden jährlich etwa 100 Millionen Franken durch verschiedene Institutionen bereitgestellt. Doch wenn es um die Nachfolge geht, hilft der Staat nicht. Dabei sind die Risiken hier viel geringer.» Eine halbe Million Mitarbeiter sind bis 2018 von der Nachfolgethematik betroffen.

Die meisten Schweizer Unternehmen gehören einer Familie. Doch immer weniger Unternehmen können die Nachfolge innerhalb der Familie regeln – nämlich inzwischen nur noch ca. 40 Prozent. Aber so oder so: Was will ich mit meiner Unternehmung? Wo steht meine Familie und wo stehen meine Mitarbeiter? Wie sieht meine (finanzielle) Zukunft aus? Dies sind die Fragen, die geklärt werden müssen.

Familienbetrieb

Gleiches Recht für alle

Dabei sind familieninterne Lösungen besonders heikel. «Die Unternehmer wollen – und müssen erbrechtlich – alle Kinder gleich behandeln. Man muss sich über die Rollen in der Familie klar werden», beschreibt Füglistaller. Kurz: Es geht um Beziehungen, um Wertschätzung und um Kommunikation. Der Unternehmer muss damit umgehen lernen, dass er auch andere Meinungen zulassen, ja, dass er loslassen muss. «Der Unternehmer muss sich tiefe Gedanken machen und möglichst viele Szenarien entwickeln.» Dieser Prozess dauere im Durchschnitt sechseinhalb Jahre, während ein Verkaufsprozess an einen Fremden etwa zwei Jahre dauert.

Manchmal ist eine Nachfolge innerhalb der Familie aber nicht möglich. Die Gründe dafür sind vielfältig. 13 Prozent der Unternehmer, die anlässlich der Credit Suisse KMU–Umfrage 2013 befragt wurden, haben keine Kinder. Fast jeder fünfte Unternehmer gibt an, dass die Kinder zu jung sind oder dass sie eine familienexterne Lösung für besser halten. Und knapp ein Viertel der Kinder wollen den Betrieb der Eltern nicht übernehmen.

Familieninterne Lösungen sind heikel.

Immer öfter ist also eine familieninterne Nachfolge unmöglich. Doch wer soll das Ruder übernehmen? Nicht nur der Headhunter kann hier weiterhelfen, sondern auch im Unternehmen selber könnte es valable und vor allem auch interessierte Kandidaten haben, die bereits über viel Know-how verfügen. Jede Lösung bringt ihre eigenen Stolpersteine mit sich, die oft auf der Beziehungsebene zu finden sind.

Wer zu spät kommt

Die Schwierigkeiten bei der Nachfolgeregelung führen nicht selten dazu, dass sie gar nicht erst angegangen wird. So haben gemäss der Neuen Aargauer Bank zurzeit 64 Prozent der über 60-Jährigen ihre Nachfolge noch nicht abschliessend geplant. Die Zeit drängt. Oft erlaubt aber das Engagement im Tagesgeschäft dem Unternehmer gar nicht, sich rechtzeitig hinzusetzen und sich die erforderlichen Gedanken zu machen. «Wo der Nachfolgeregelungsprozess zu spät eingeleitet wird, führt das nicht selten dazu, dass ein Betrieb geschlossen wird. Dies ist immerhin in knapp einem Drittel der Unternehmen der Fall. Das ist schade, hier gehen Arbeitsplätze verloren», bedauert Lieni Füglistaller.

Unternehmensverkauf

Der erste richtige Moment, Antworten auf all diese Fragen zu finden, wäre eigentlich bei der Gründung des Unternehmens. Damit man der Ablösung gelassen entgegenschauen kann, benötigt der Unternehmer nämlich eine gute Altersvorsorge und deshalb sollte sich ein Unternehmer schon am Tag eins überlegen, was er denn eigentlich mit dem Betrieb möchte.

Je nach Stand der Altersvorsorge kann es übrigens matchentscheidend sein, welcher Art die Nachfolgeregelung ist: Wird der Besitz und die Führung weitergegeben oder nur eines von beidem? Denn beide Varianten sind durchaus Möglichkeiten, die es zu überlegen gilt. Je nach Branche ist die eine oder andere Lösung verbreiteter.

Oft wird aber nur die Führung übergeben, wie beispielsweise in der Spitzenindustrie oder im Verkehr und Transport. «Der Unternehmer kann beispielsweise Aktien, Immobilien, Kundenkontakte oder Lizenzen behalten oder verkaufen», erläutert Füglistaller die Bandbreite an Optionen. Als gutes Beispiel nennt er die Firma Kärcher. «Die Firma blieb im Besitz der Familie, die einen CEO angestellt hat».

Es wird klar: Die Nachfolgeregelung ist ein sehr komplexer Prozess. Manch einer ist nicht nur zeitlich überfordert, sondern weiss auch nicht, wo anfangen. Die Stiftung KMU Next hat zum Beispiel mit Next-Check ein Online-Instrument entwickelt, um Unternehmer bei der anfänglichen Standortbestimmung zu helfen.