Logistik

Ein massgeschneidertes ERP-System verringert die Komplexität und schafft Effizienz und Geschwindigkeit.

Das Lager als Drehscheibe der gesamten Logistik

Leadership Ohne ein gut geführtes Lager gerät der Warenfluss schnell ins Stocken. «KMU» zeigt auf, wie man ein Lager in Ordnung hält und welche Entwicklungen es gibt.

Miriam Dibsdale

Wer den Kopf nicht bei der Sache hat, dem wächst der Lagerbestand irgendwann wortwörtlich über den Kopf. Um ein Warenlager zu bewirtschaften, muss man ein auf die eigenen Anforderungen zugeschnittenes Konzept haben, betonen Experten aus KMU unterschiedlicher Grösse. Entsprechend wichtig sei es, dass man jederzeit wisse, was sich wo befindet. Ein unverzichtbares Hilfsmittel heute: die IT. Ohne eine massgeschneiderte Softwarelösung-Lösung ist es schnell unmöglich, Lagerbestände zeitgemäss und effizient managen zu können.

Das trifft die Sache genau. Die Lagerbewirtschaftung hat sich verändert, dank verschiedener technischer IT-Innovationen. Heutige Lösungen sind in der Lage, komplexe Abläufe abzubilden und überprüf- und veränderbar zu machen, führen IT-Experten aus. Moderne Business-Softwares verfügen nicht selten über ein eigenes Logistik-Modul, mit dem sich unter anderem die Lagerbewirtschaftung vereinfachen lässt. Ein wichtiges Feature sind dabei die Bestellvorschläge. Sobald eine Warenanzahl unter den definierten kritischen Wert sinkt, zeigt dies die Software an. Gehen einem Unternehmen also wichtige Komponenten für ein Produkt aus, erscheint automatisch der Vorschlag, dass man wieder die definierte Menge nachbestellen sollte. Das wird umso wichtiger, je mehr Einflussgrössen zu berücksichtigen sind:  Unternehmen, die nicht nur Waren verschieben, sondern auch herstellen, müssen verschiedene Teilkomponenten einlagern – fehlt eine, kommt die ganze Produktion zum Erliegen.

Unternehmen, die selber nicht über genügend Lagerfläche verfügen, können diese auch extern anmieten –ein Angebot vieler Unternehmen die im Logistikbereich tätig sind. Das hat natürlich seinerseits Auswirkungen auf das Verwalten der Lagebestände und muss im eigenen ERP-System berücksichtigt werden. ERP-Systeme gehören heute quasi zum Standard-Rüstzeug für viele Unternehmen. Ein grosser Vorteil dieser Anwendungen ist die Flexibilität: Je nach Branche, in der ein Unternehmen tätig ist, unterscheidet sich auch das verwendete System. Einen weiteren wichtigen Einflussfaktor stellt die Grösse eines Unternehmens dar: Ein grosser Konzern beispielsweise muss die Möglichkeit haben, allfällige Tochterunternehmen in sein ERP-System einzubinden. Der Ansatz funktioniert aber auch für KMU. Viele Anbieter haben für kleinere Unternehmen Lösungen im Angebot, die mit einer verringerten Komplexität funktionieren, die Ansprüche der Kleinunternehmen aber dennoch erfüllen. Jedes Unternehmen kann sich sein eigenes, massgeschneidertes ERP-System zusammenstellen.

Lagerlogistik

Wer kauft was wann?

Ebenfalls wichtig, wenn es um die Lagerbewirtschaftung geht, ist die Funktion, die Seriennummer von Produkten zu scannen und zu speichern. Das kommt vor allem bei Garantiefällen zum Tragen. Beispiel Fernseher: Wer zehn TVS einkauft und weiterverkauft, müssen jeden einzelnen unterscheiden können. Geht eines der Geräte kaputt und meldet sich der Kunde, kann man so einsehen, ob die Garantie noch gültig ist. Und auch im Versicherungsfall hilft moderne Software: So lässt sich der aktuelle Wert eines Lagers berechnen, aufgrund des Versicherungswertes der eingelagerten Waren. Falls dann etwas passiert, etwa wenn es zu einem Brand kommt, kann man direkt die Versicherungssumme einsehen.

Lagerbewirtschaftung findet aber nicht nur vor dem Computerbildschirm statt. Die Güter müssen schliesslich auch vom Lastwagen abgeladen, eingeräumt und irgendwann wieder abfuhrfertig gemacht werden. In kleinen Lagern reicht dafür der Einsatz von Handliften und Palettrollern. Sind die zu transportierenden Waren aber grösser und schwerer, sind Hubstapler oder Gabelstapler nötig.

Verteilung sicherstellen

Mit einer effizienten Verwaltung des Lagers ist ein wesentlicher Teil der sogenannten Supply Chain sichergestellt. Heute hat sich der Begriff des «Supply Chain Managements» (SCM) herausgebildet. Der Begriff bedeutet das konzeptionelle durchführen aller Prozesse, die an der Logistik beteiligt sind. Im Klartext: Ein praxistaugliches Supply Chain Management zeichnet sich vor allem durch Effizienz und Geschwindigkeit aus.

Forklift Driver In Warehouse

Es muss gelingen, alle Abläufe, die über die Grenzen des eigenen Unternehmers gehen, ohne Medienbrüche und Doppelspurigkeiten zu organisieren. Und dies von Anfang bis zum Ende, sprich von der Fabrik bis zum Endkunden. Im Arbeitsalltag bedeutet das beispielsweise, dass man verhindern will, dass Bestellungen irgendwo erfasst, dann ausgedruckt, und am Bestimmungsrot wieder erfasst werden – ein typisches Beispiel für einen Medienbruch. Doch beim Supply Chain Management geht es nicht nur um Organisation und Lenkung von Materialflüssen.

Ebenso wichtig ist es, dass Informationen schnell an den richtigen Empfänger gelangen. Denn stimmt die Kommunikation zwischen den involvierten Stellen nicht, dann stockt die Supply Chain. Das passiert etwa, wenn wichtige Daten oder Briefings nicht weitergeleitet werden. Grundsätzlich geht es darum, Verschwendung zu vermeiden – von Zeit und Ressourcen, betonen Experten.

SCM ist zunehmend auch ein Weiterbildungsthema in Schweizer Hochschulen. Was man beim Supply Chain Management ebenfalls nicht ausser Acht lassen darf: Es ist auch viel interkulturelle Kompetenz gefragt. Denn die Lieferkette erstreckt sich in den meisten Fällen bis ins Ausland, deswegen ist es wichtig, Bescheid zu wissen, wie man Projekte im Ausland aufgleist.