Ob sich eine Immobilienanglage lohnt, ist individuell zu betrachten.

Die Immobilie als Kapitalanlage

Finanzen Eine Immobilie kann eine gute und sinnvolle Geldanlage sein. Ganz besonders mit Blick auf die aktuell tiefen Hypothekarzinsen und den Mini-Zinsen, die Sparbücher oder Anleihen derzeit einbringen. So ganz ohne Risiko ist allerdings auch die «sichere Investition Immobilie» nicht.

Matthias Mehl

Alles auf das Sparbuch? Na ja, rentiert nicht mehr wirklich. Auf Obligationen oder sonstige Anleihen setzen? Auch hier sind die Zinsen eher gering. Aktien? Für viele zu unsicher, komplex und dementsprechend zu riskant. Gold? So teuer wie noch nie. Die Suche nach einer guten und zumindest einigermassen sicheren Geldanlage scheint dieser Tage tatsächlich nicht ganz so einfach zu sein. Wie aber wäre es denn mit Immobilien als Anlagevariante?

 

«Immobilien werden bei der Geldanlage meist als sehr sicher angeschaut»

Schliesslich heisst es doch schon seit Jahren, dass wer in Immobilien investiert, eine sichere Investition tätigt. Ganz besonders mit dem derzeit tiefen Hypothekarzinsniveau. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Schweizer für Immobilien als Kapitalanlage interessieren. Doch so aussichtsreich und verlockend die Situation auf den ersten Blick erscheinen mag, ganz ohne Risiko und vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie geht es auch hier nicht.

Die Frage der Verwaltung

«Immobilien werden bei der Geldanlage meist als sehr sicher angeschaut», sagte Damian Gliott von der Winterthurer Beratungsfirma Vermögenspartner AG kürzlich gegenüber der «NZZ». Dabei dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass sich bei einem Direktkauf einer Liegenschaft die Situation auch ändern könne. Als Beispiele solcher möglichen Veränderungen erwähnte Gliott unter anderem der Bau eines neuen Bahntrassees oder einer Strasse mit hohem Verkehrsaufkommen.

Zudem müssen sich Käufer gemäss Experten stets bewusst sein, dass bei Liegenschaften früher oder später Managementfragen aufkommen werden. Besitzt der Immobilienbesitzer selbst Kompetenz und Kapazität für die Verwaltung oder muss jemand Externes damit beauftragt werden, was selbstredend wiederum Geld kostet?

Ob nun Eigentümer-Management oder externe Verwaltung – die Frage, ob eine Immobilieninvestition rentiert oder nicht, hängt schlussendlich in erster Linie von der Immobilie selbst ab. Noch lange nicht jedes Haus ist ein Renditenobjekt und eignet sich somit als Kapitalanlage. Deshalb müssen potenzielle Käufer diverse Punkte beachten.

Immobilienanlage

Der wohl wichtigste Faktor ist die Lage. Hier gilt es zum Beispiel, die Infrastruktur der direkten Umgebung zu prüfen. Wie steht es mit Geschäften, die den täglichen Bedarf abdecken? Sind allenfalls Kindergärten, Schulen oder allgemeine Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung zu finden? Und wie verhält es sich mit dem öffentlichen Verkehr?

Beim Kauf einer etwas älteren Immobilie muss das Augenmerk nicht zuletzt auch auf die Bausubstanz des Objektes gelegt werden, damit keine bösen Überraschungen auftreten. Selbstverständlich muss auch der eigentliche Kaufpreis stimmen. Sowohl überteuerte als auch zu einem «Schnäppchenpreis» angepriesene Objekte versprechen in der Regel nichts Gutes.

«Bei einem Direktkauf einer Liegenschaft kann sich die Situation allerdings auch mal ändern»

Und zu guter Letzt ist die finanzielle Situation des potenziellen Käufers mitentscheidend. Denn der Kauf einer Immobilie soll nicht nur in Bezug auf Vor- und Nachteile des Objektes gut durchdacht sein, sondern auch mit Blick auf die eigenen finanziellen Möglichkeiten respektive Grenzen. Eine Faustregel lautet hierbei, dass Immobilien nicht mehr als rund 30 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen sollten. Wer sich an diese Regel hält und allenfalls noch über Spareinlagen oder Wertpapiere verfügt, riskiert laut Expertenmeinungen zumindest keine Privatinsolvenz, falls sich das Immobilienengagement am Ende als Fehlinvestition herausstellen sollte.

Sicher oder nicht?

Immobilien als Kapitalanlage sind also nicht für jedermann eine sinnvolle Investition. In erster Linie sollten sich mit dieser Thematik eher die vermögenden Privatanleger beschäftigen, darüber sind sich die Experten einig. Wie sicher das Ganze aus langfristiger Sicht ist, darüber scheiden sich indes die Geister, wie eine kürzlich geführte Experten-Diskussion in der «Frankfurter Rundschau» zeigte. Kurt H. Flesch, Geschäftsführer eines Berliner Immobilienservice-Unternehmens sagte, dass sich aus seiner Sicht die Immobilie als Kapitalanlage grundsätzlich für jeden eigne, der eine hohe Arbeitssicherheit habe.

Immobiliensteigerung

Ganz ähnlich sah dies der Kölner Vermögensverwalter Uwe Zimmer. «Immobilien als Kapitalanlage eignen sich im Prinzip für jeden, der genügend Eigenkapital hat und darauf auch eine Zeit lang verzichten kann.» Demgegenüber stand Zimmers Berufskollege Claus Stahl, der zu bedenken gab, dass sich interessierte Käufer auch immer die Frage stellen müssten, ob die Lage des Objektes so gut sei, dass die Wohnung oder das Haus auch noch in 20 Jahren ohne Probleme vermietbar sei.

So oder so, Fakt bleibt, dass die Investition in eine Immobilie sehr wohl eine gute Geldanlage sein kann. Und ja, eine solche Investition gilt auch heute noch als sicher – oder zumindest als sicherer als in risikobehaftete Aktien zu investieren. Gleichzeitig muss man sich allerdings auch bewusst sein, dass Immobilien als Kapitalanlage auch mit Aufwand verbunden sind und in Bezug auf eine mögliche Rendite grundsätzlich als äusserst langfristiges Projekt betrachtet werden müssen. Ein Projekt auch, bei dem es wie bei allen anderen Kapitalanlagen so etwas wie eine Erfolgsgarantie nicht existiert.