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Onlineshops verursachen aber auch Aufwand.

Die Möglichkeiten sind vielfältig

Technologie Während E-Commerce schon seit geraumer Zeit ein immer wiederkehrendes Thema ist, ist der Bereich des Working Capital Management noch vergleichsweise unbekannt. Die wirtschaftliche Bedeutung für KMU ist in beiden Fällen hoch.

Franco Brunner

E-Commerce ist vielleicht der Wirtschafts-Modebegriff der vergangenen Jahre. Überall wurden die Möglichkeiten des elektronischen Handels gepriesen und dessen Wichtigkeit – gerade auch für KMU – immer wieder aufs Neue unterstrichen. Mag sein, dass der Begriff tatsächlich inflationär verwendet wurde und es wohl noch immer wird. Der tatsächlich weitreichenden Bedeutung tut dies derweil keinen Abbruch.

Dies bestätigt auch Stefan Meier, Leiter E-Commerce bei der Schweizerischen Post. «Der E-Commerce ist in der Schweiz in den letzten fünf Jahren jährlich zwischen vier und fast zehn Prozent gewachsen», sagt Meier. Entsprechend sei der E-Commerce ein Wachstumsmarkt und biete insbesondere KMU die Möglichkeit, neue Kundensegmente zu erschliessen. Insofern sei die Bedeutung für KMU gross, besonders für jene, die im B2C-Bereich tätig seien. «Man kann fast sagen, nicht oder schlecht online zu sein, bedeutet nicht vorhanden zu sein», bringt es Meier auf den Punkt.

Mobile Commerce als Trend

Nun gut, die Wichtigkeit von E-Commerce für KMU ist unbestritten. Doch worauf muss der Unternehmer achten, wenn er mit seiner Firma in den E-Commerce einsteigen möchte? «Zuerst einmal sollte das Geschäftsmodell als solches sorgfältig beurteilt werden», erklärt Meier. Denn Produkte und Dienstleistungen, für die es keine Nachfrage gäbe, würden auch in einem Onlineshop keinen Erfolg haben. Zudem solle man den Aufwand, den der Betrieb eines Onlineshops verursacht, nicht unterschätzen, mahnt der Experte. Dieser sei in der Regel nämlich gleich hoch wie bei einem Ladengeschäft.

Zudem solle man den Aufwand, den der Betrieb eines Onlineshops verursacht, nicht unterschätzen.

Im Hintergrund eines Onlineshops braucht es demnach komplexe Leistungen. Vermarktung, Bestellabwicklung, Zahlungs- und Mahnwesen, Lager, Versand, Kundendienst und – im Onlinehandel besonders wichtig – ein Retourenmanagement. «Funktioniert einer dieser Prozesse nicht oder ist schlecht auf die anderen abgestimmt, kann das den ganzen Betrieb stören», sagt Meier weiter. Deshalb seien gerade KMU gut beraten, sich professionelle Unterstützung für diese Aufgaben zu holen. Die Post biete da zum Beispiel entlang der gesamten Wertschöpfungskette des E-Commerce Dienstleistungen und Beratung an, damit sich die Kunden voll auf ihr Kerngeschäft – den Einkauf und Vertrieb – konzentrieren könnten.

Woman Holding Shopping Bag At Home

Eine Wertschöpfungskette übrigens, die sich laut Meier in Zukunft durchaus noch verändern kann und wird. «Mobile Commerce und Second Screen – die Parallelnutzung des Internets während des TV-Konsums – sind Trends, denen sich Onlinehändler in Zukunft nicht mehr verschliessen können», ist sich der Experte sicher. In der Schweiz würden inzwischen fast zehn Prozent der Bestellungen die Onlinehändler über mobile Geräte erreichen.

Von grosser Bedeutung sei auch das Multichanneling. Dabei würden Händler ihren Kunden die Möglichkeit bieten, verschiedene On- und Offlinekanäle für Informationsbeschaffung, Bestellung, Bezahlung, Lieferung/Abholung, Retournierung und Rückerstattung zu nutzen. Immer wichtiger werde zudem die Nutzung von Big Data. Dabei würden Händler Kundendaten systematisch auswerten und so aus den Resultaten personalisierte Angebote entwickeln.

«Man kann fast sagen, nicht oder schlecht online zu sein, bedeutet nicht vorhanden zu sein»

Neuland Working Capital Management

Während man im Bereich der E-Commerce zwar noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten angelangt ist, aber zumindest schon verschiedene Erfahrungswerte vorweisen kann, ist das sogenannte Working Capital Management (WCM) noch eher Neuland für hiesige KMU. Das WCM hat grundlegend zwei Ziele. Erstens die Steuerung des Netto-Umlaufvermögens zur Verbesserung des Cashflows und zweitens die Stärkung der Innenfinanzierungskraft des Unternehmens. Damit sollen zum einen die Abhängigkeit von Fremdfinanzierungen und zum anderen die Liquiditätsrisiken für ein Unternehmen reduziert werden. Im Fokus dieses WCM stehen vor allem die Bereiche Lagerbestände, Forderungen und Verbindlichkeiten. In diesen Bereichen sollen ineffiziente Abläufe und Handlungsweisen ausgemacht und behoben respektive verbessert werden.

Delivery

Dass WCM tatsächlich ein Bereich mit grossem Potential und enormen Möglichkeiten ist, zeigt eine kürzlich vom Forschungszentrum Supply Chain Finance-Lab der Schweizerischen Post an der Universität St. Gallen durchgeführte Benchmarkstudie auf. Demnach ergeben sich für Schweizer Unternehmen nach einer ersten Schätzung kalkulatorische Gesamtkosten im Zusammenhang mit dem WCM in Höhe von knapp 530 Milliarden Franken. Dieser Wert umfasse neben den Kapitalkosten für Bestände, Debitoren und Kreditoren, auch Material-, Waren-, Personal- und sonstige Betriebsaufwände, die in Verbindung mit dem Nettoumlaufvermögen stehen.

Die Studie belege, heisst es im Fazit, dass «die Haupttreiber für eine Verbesserung des Nettoumlaufvermögens in einer Stärkung der Selbstfinanzierungskraft sowie der Vermeidung von Liquiditätsengpässen liegen. Auch wenn aktuell viele Unternehmen nicht mit Liquiditätsengpässen konfrontiert sind, sollten sie die Chance nutzen, um durch eine systematische und umfassende Auseinandersetzung mit ihrem Working Capital Management für Krisensituationen vorzusorgen.