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Digitale Transformation – nicht nur Sache der IT-Abteilung

Technologie Die Digitalisierung eröffnet Schweizer Unternehmen diverse neue Chancen; und wirft für KMU oft ebenso viele Fragen auf. Verschiedene IT-Unternehmen haben das erkannt und zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz die Kooperation «dig:it now» ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Theoretisches Know-how mit Fachwissen aus der Praxis zu kombinieren und somit KMU zu helfen, eine echte digitale Transformation zu schaffen. Im Interview erklärt «Transformation Coach» Daniel Jäggli, wie das funktioniert.

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Daniel Jäggli, den meisten KMU in der Schweiz ist im Prinzip bewusst, dass sie sich transformieren müssen. Allerdings scheinen die wenigsten Unternehmen bisher gute Erfahrungen damit gemacht zu haben.
Grundsätzlich kann ich das – leider – bestätigen. Ver- schiedene Studien der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) , die unabhängig von uns durchgeführt wurden, belegen diesen Umstand. Die Untersuchungen zeigen, dass nur wenige kleine und mittlere Unternehmen bisher positive Erfahrungen gemacht haben mit ihren Bemühungen zum ema «Digitale Transformation». Dies ist mit einer der Gründe, warum die Initiative «dig:it now» ins Leben gerufen wurde: Wir wollen diese Herausforderung anpacken und KMU in diesem Bereich unterstützen.

Woran scheitern die Bemühungen der KMU denn konkret?
Hier kommen verschiedene Punkte zum Tragen. Erstens spielt der menschliche Faktor eine Rolle: Niemand verändert sich gerne unter Druck. Zweitens transformieren sich Unternehmen, ohne die notwendige Erfahrung oder das fachliche Know-how. Das führt z.B. dazu, dass oft nur ein einziges Tool eingeführt wird. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass die digitale Transformation nicht nur ein IT-Thema ist – sondern eine Frage der Veränderungskultur in einem Betrieb. Sowohl das Geschäftsmodell als auch die Führung, die Organisation sowie die Kundenzentriertheit müssen adressiert werden. Der dritte Punkt liegt dann oft im Tagesgeschäft: Es fehlt an Zeit und Ressourcen, um eine Transformation einzuleiten.

Wie ist dig:it now entstanden – und welche Ziele werden damit verfolgt?
Bei dig:it now handelt es sich um eine Kooperation von rund 30 Schweizer IT-Unternehmenwelche klar erkannt haben, dass ein einfach verwendbares methodisches Vor- gehen für die Unterstützung der nachhaltigen Transforma- tion der KMUs von grosser Bedeutung ist. Im November 2016 kam es zu einem ersten Tre en zwischen den Unter- nehmen und der Leiterin des Kompetenzschwerpunkts Cloud Computing, Digitalisation & Transformation an der FHNW, Prof. Dr. Stella Gatziu Grivas und die Ini- tiative wurde geboren. Die dig:it now Partner standen der FHNW für die Evaluation und die Praxistauglichkeit der Transformationsmethodik sowie das Einbringen von An- forderungen an die Tools stark zur Seite.

Wie kann dig:it now Schweizer KMU konkret helfen, eine «echte» digitale Transformation einzuleiten?
Es gibt bereits verschiedene Transformationsmodelle, die sich mit genau dieser Fragestellung beschäftigen. Allerdings sind sie von «Grossen für Grosse» konzipiert – und damit viel zu komplex, zu umfassend, zu langsam und zu teuer für KMU. Aus diesem Grund haben wir zusammen mit der FHNW ein neues Modell für mit- telständische Unternehmen entwickelt; eines, das wissenschaftliche Ansätze umfasst und gleichzeitig praktischen Ansprüchen genügt und damit KMU-tauglich ist.

Was unterscheidet dieses KMU-Konzept von einem «für die Grossen»?
Wir wollen KMU vor allem die Angst vor der Digi- talisierung nehmen. Das erreichen wir, indem wir die Betriebe inspirieren, zu neuen Ideen anregen und ihnen kleine, modulare Schritte aufzeigen. Gleichzeitig schaf- fen wir Orientierung, fungieren also quasi als Kompass. Wichtig ist zu betonen, dass wir dieses Konzept nicht in Form einer Beratung umsetzen. Denn wir agieren nicht als Berater, sondern als Coaches.

Worin besteht der Unterschied?
Ein Berater arbeitet immer nach einem gewissen Modell. Ein solches Vorgehen wird der Vielfältigkeit des KMU-Sektors aber nicht gerecht. Als Coaches or- chestrieren und begleiten wir vielmehr. dig:it now setzt bewusste Impulse, die Ideen kommen aber immer von innerhalb des Unternehmens. Wir verfolgen mit unse- rem Coaching zwar ganzheitlich alle Ansätze und Disziplinen, bieten Unternehmen aber immer wieder die Möglichkeit, auszusteigen und die weitere Umsetzung in die eigenen Hände zu nehmen. Das Resultat dieses Vorgehens ist ein «echter» transformierter Kunde – und nicht einfach ein neues IT-Projekt.

Wir erleben immer wieder, dass Firmen nur in Werkzeugen und IT-Lösungen denken. – Daniel Jäggli

Wo sehen Sie den Unterschied zwischen Transformation und Digitalisierung?
Für uns bedeutet «Digitalisieren», vereinfacht gesagt, unternehmerische Prozesse komplett mit IT-gestützten Tools abzudecken und sicherzustellen, damit Medienbrüche geschlossen werden. Doch in der aktuell not- wendigen Transformation geht es eben auch stark um den kulturellen Wandel. Neue Geschäftsmodelle tauchen auf und eine neue Generation macht sich sowohl als Mitarbeiter als auch als Kunde bemerkbar – die «Digital Natives» bzw. die sogenannte «Generation Z». Und diese erhebt ganz neue Ansprüche an Unternehmen.

Wie darf man sich ein Coaching durch dig:it now konkret vorstellen?
Es setzt sich aus drei Phasen zusammen: einem Inspire-Workshop, einem Engage-Workshop sowie der eigentlichen Transformation. Zu Beginn geht es aber darum, einen Impuls im Unternehmen zu setzen. Die Frage «Warum und wie müssen wir uns verändern?» steht dabei im Zentrum. Ist der Impuls gesetzt, wird das Kader inspiriert. Unsere Coaches kultivieren die Bereitschaft zum Wandel in den Köpfen des Kaders der jeweiligen Firma. Dabei wird ein sogenannten «Transformations-Team» gebildet, das sich aus Mitgliedern der Unternehmensleitung, Querdenkern und – falls vorhanden – Vertretern der Generation Z zusammensetzt. Mit diesem Team führen wir eine Standortbestimmung des Unternehmens durch und schauen erfolgreiche Schweizer-Transformationsbeispiele an. Dies wird anhand vom Tool Transformation Compass der FHNW, welches mit gezielten Fragen bestehende Medienbrüche aufweist, das Geschäftsmodell durchleuchten, Veränderungs- und Innovationskultur und identifizieren Möglichkeiten für Operational- und Organisational-Excellence. Das Ergebnis ist eine «Heatmap» des Unternehmens; eine Übersicht der neuralgischen Punkte und Handlungsfelder im Unternehmen.

Was umfasst der zweite Schritt?
Kunden, die mit uns den Weg weiter beschreiten möchten, erarbeiten mit uns im Engage-Workshop aufgrund der Heatmap eine Transformations-Roadmap. Dabei geht es um die Priorisierung und das Ausarbeiten von Teilprojekten. Sie lernen zudem, Kreativitätstechniken anzuwenden. Als Basis dafür dient uns der Ansatz «Digital Navigation Canvas» der FHNW. Auch in dieser Phase arbeiten wir eng mit dem Transformationsteam des Unternehmens zusammen. Man muss es nochmals betonen: Transforma- tion beginnt von oben – und kann nicht einfach an die IT delegiert werden. Im nächsten und finalen Schritt, der eigentlichen Transformation, geht es dann darum, die erarbeiteten Projekte umzusetzen, die Beteiligten zu instruieren und deren Arbeit zu orchestrieren.

Kann ein dig:it now-Partner alle diese Teildisziplinen abdecken?
Nein, und genau das ist der Sinn des Netzwerkes – welches übrigens eine Transformation unserer Branche darstellt. Durch die verschiedenen IT-Disziplinen, durch Management- und Strategieberatung sowie durch das gemeinsam verwendete Modell, können wir unsere Kunden über den ganzen Weg begleiten, bzw. coachen.

Es gibt auch Unternehmen, die sehr genau wissen, wo sie sich transformieren sollten – eignet sich der dig:it now-Weg auch für diese KMU?
Unbedingt! Wir erleben immer wieder, dass Firmen nur in Werkzeugen und IT-Lösungen denken. Doch wie erwähnt gehört noch viel mehr zu einer erfolgreichen Transformation dazu. Ein Inspire-Workshop dient als aufschlussreiche Zweitmeinung, als Strategiecheck – aber auch als Bestätigung für die bestehenden Pläne. Und ist das Vorgehen dadurch verifiziert und optimiert, sind die Initianten von dig:it now letztlich alles erfahrene IT-Partner, die sehr direkt bei der Umsetzung helfen können.

Können dig:it now und die FHNW schon konkrete Erfolgsstorys vorweisen?
Ja, genau dies zeichnet uns aus. Jahrelange Erfahrung, die Transformation der eigenen Unternehmen in der IT sowie weitreichende Projekterfahrung. Wir belegen dies auch mit den «Transformation Stories» auf unserer Website. Dabei führen wir nicht Beispiele wie Uber, Airbnb und Co. an – sondern eben lokale Schweizer Cases, quasi von «KMU von nebenan».

Die Digitalisierung unterliegt ja auch einer laufenden Transformation. Wie bleibt dig:it now am Puls des Geschehens?
Wir arbeiten sehr eng mit dem FHNW Spin-off-abiliCor zusammen. Die digit:now-Partner tre en sich zudem regelmässig, tauschen ihre Erfahrungen aus den Workshops aus und entwickeln daraus Best Practices. Zudem iesst laufend Feedback rund um die Nutzung und Optimierung der Tools an abilicor und die FHNW. Die Methodik und alle Tools werden aktuell an der FHNW in verschiedenen Forschungsprojekten eingesetzt und weiterentwickelt. So sind wir laufend am Puls des Geschehens. Und schlussendlich kommt hier einer der wichtigsten Punkte zum Tragen: Unsere Coaches sind vom Spin-off-abiliCor der FHNW zerti ziert. Jedes Jahr lassen sie sich mit den entsprechenden Ausbil- dungsmodulen rezerti zieren. Aktuell denken wird darüber nach, gemeinsam einen einwöchigen Kurs bei der University of New York zum Thema «Design Thinking Innovation» zu besuchen.

Welche Schritte soll ein KMU nun konkret unternehmen, wenn es sich angesprochen fühlt?
Das ist denkbar einfach: Besuchen Sie unsere Web- site www.digitnow.ch und nehmen sie an einem Im- puls-Workshop in Ihrer Gegend teil. Das ist quasi der Beginn Ihrer eigenen Transformations-Erfolgsstory.

ZUR PERSON.

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Daniel Jäggli ist Transformation Coach bei dig:it now sowie Vorsitzender des Verwaltungsrates bei der Leuchter IT Solutions Gruppe, einem Träger von dig:it now. www.leuchterag.ch

ÜBER DAS FHNW SPIN-OFF ABILICOR GMBH.

abiliCor ist das erste Spin-off der Hochschule der Wirtschaft der FHNW gegründet von der Leiterin des Kompetenzschwerpunkts Cloud Computing, Digitalisation & Transformation Prof. Dr. Stella Gatziu Grivas und zwei Mitarbeitern. abiliCor ent- wickelt und betreibt Online-Tools, Workshop-Tools und Workshop-Methoden für die digitale Trans- formation basierend auf der ABILI-Methodik, ent- wickelt von den Gründern an der FHNW.

Infos auf www.abilicor.ch

ÜBER DIG:IT NOW.

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dig:it now ist eine Kooperation von 30 IT-Lösungs- anbietern, die Schweizer KMU mit einem standar- disierten und bewährten Vorgehen, in Zusammen- arbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, bei der digitalen Transformation der 4. industriellen Revolution unterstützen.

www.digitnow.ch

Abbildungen: (c) digit now