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Sparen und trotzdem vorankommen.

Michael Corbett: «Man spart nicht nur – sondern verbessert das Unternehmen»

Michael F. Corbett ist der Vorsitzende der «International Association Of Outsourcing Professionals» (IAOP). In dieser Funktion stellen Corbett und sein Team sicher, dass das Netzwerk allen Mitgliedern – auf der ganzen Welt sind dies rund 120 000 – zur Verfügung steht und Fachwissen rund um alle Fragen des Outsourcings ausgetauscht werden kann. Die IAOP unterhält auch in Zürich ein eigenes Büro, diese Büros dienen laut IAOP als Wissens-Center.

SMA

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Michael F Corbett

Michael F. Corbett, welche Unternehmensbereiche und Prozesse erachten Sie als ideal für Outsourcing?

Nun, das kommt natürlich auf die Natur jedes einzelnen Unternehmens an. Aber allgemein gesagt haben wir festgestellt, dass die meisten Firmen grosse Outsourcing-Potenziale und -Möglichkeiten besitzen – das gilt für praktisch alle Bereiche eines Betriebs. Und die meisten Unternehmen führen ja bereits irgendeine Form der geschäftlichen Auslagerung durch, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Catering und Reinigung von Büros und Firmengebäuden fallen mir da ein. Wenn es aber darum geht, konkrete Geschäftsprozesse auszulagern, eignen sich die Bereiche HR, Finanz- und Rechnungswesen ideal. Obschon natürlich der HR-Bereich allein so gross ist, dass sich dort gleich mehrere Möglichkeiten ergeben.

 

Welche Möglichkeiten wären das konkret?

Beispielsweise das Auslagern der Lohnbuchhaltung. Aber auch das Anwerben und Einstellen von neuen Mitarbeitern kann man problemlos in professionelle Hände geben. Gleiches gilt für die IT-Abteilung; ob es sich nun um die Instandhaltung der Computer-Infrastruktur, Netzwerksupport oder andere Bereiche handelt. Wenn wir von Industrieunternehmen sprechen, reden wir automatisch vom Outsourcing gewisser Produktionsprozesse. Und nicht zuletzt ergeben sich auch für Banken verschiedene interessante Möglichkeiten, viele Dienstleistungen können von professionellen Drittfirmen übernommen werden. Dazu gehören zum Beispiel die Erstellung von Softwarelösungen oder auch Kundenservices. Es können sogar Aspekte des Kunden- und Portfoliomanagements ausgelagert werden.

 

Das klingt, als könnte jeder Outsourcing betreiben.

Das ist in der Tat die simple Wahrheit: Jeder kann es! Und jedes Unternehmen kann davon profitieren. Um aber wirklich Erfolg zu haben, insbesondere wenn es darum geht, Schlüsselaufgaben eines Unternehmens auszulagern, ist es entscheidend, dass die Outsourcing-Prozesse gemäss einer vorher definierten Strategie ablaufen. Eine gute Planung im Vorfeld ist also dringend notwendig. Die Kernfrage muss lauten: Wie kann ich mein Unternehmen mit Hilfe von Outsourcing verbessern? Sobald diese Frage – wie auch Folgefragen, die sich daraus ergeben – beantwortet sind, muss ein Unternehmen gute Partner finden und die Prozesse zum Laufen bringen. Ein grosses Plus für Firmen ist die Tatsache, dass diese potenziellen Anbieter immer professioneller werden.

 

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Viele Firmen sind mittlerweile spezialisiert auf die Erbringung von sogenannten «Shared Services». Das bedeutet, dass redundante Prozesse, also Doppelspurigkeiten, in einem Unternehmen entdeckt und entfernt werden. Das geschieht, indem man die Prozesse an einer zentralen Stelle konzentriert und bündelt. Ein Beispiel: In einem Unternehmen wird die Lohnbuchhaltung vielleicht für jede Abteilung separat durchgeführt. Dies kommt relativ oft vor, ist aber ineffizient. Ein Partnerunternehmen kann hier konsolidierend eingreifen, durch einen Shared Service. Dadurch wird der ganze Ablauf nicht einfach nur effizienter. Die Profis der Partnerfirma, welche die Aufgaben übernehmen, sind schliesslich genau das – Profis. Das bedeutet, dass diese Externen die jeweilige Rolle oft sogar besser ausfüllen können als Interne, was das Unternehmen als Ganzes verbessert und weiterbringt.

 

Sprechen wir über die Funktion der «International Association Of Outsourcing Professionals» (IAOP), deren Vorsteher Sie sind. Was genau tut Ihre Organisation?

Die IAOP ist ein globales Netzwerk von Outsourcing-Experten. Die Rolle des Netzwerkes ist es, diese Experten zusammen zu bringen und den Wissensaustausch zwischen ihnen zu ermöglichen und zu fördern. Dies mit der Absicht, verschiedene Probleme zu lösen, die im Zusammenhang mit Outsourcing entstehen können. Zudem sammelt die IAOP dieses Fachwissen und stellt es seinen Mitgliedern zur Verfügung. Wir sind in 50 Ländern auf der ganzen Welt präsent, eines unserer Zentren befindet sich in Zürich. Diese Zentren fungieren als Anlaufstellen in ihren jeweiligen Märkten. Letztlich geht es uns darum, unseren Mitgliedern zu helfen, den maximalen Gewinn aus ihren Outsourcing-Aktivitäten zu ziehen.

 

Die Schweiz ist ein Highclass-Market und damit auch einer mit hohen Preisen. Wie können Schweizer Unternehmen Outsourcing dazu verwenden, im internationalen Wettbewerb zu bestehen?

In der Schweiz, wie auch in vielen anderen Märkten, müssen die Unternehmen begreifen, dass Outsourcing nicht einfach ein simples Werkzeug darstellt. Es geht nicht einfach nur darum, Waren und Dienstleistungen billiger zu machen und zu produzieren. Es geht vielmehr darum, die Dinge auch besser zu machen. Durch Outsourcing bekommt eine Firma die Möglichkeit, Partnerschaften einzugehen, die neue Wege zu neuen Innovationen ebnen. In einem entwickelten Markt wie der Schweiz muss sich ein Unternehmen durch Innovation und Servicequalität hervortun und sich so von der Konkurrenz abheben. Aus diesem Grund sollte die Outsourcing-Strategie darauf abzielen, das Unternehmen als Ganzes zu verbessern, indem externe Profis ins Boot geholt werden. Es gibt eine Vielzahl hervorragender Firmen die tolle Services anbieten, mit denen ein Partnerunternehmen die eigene Marktposition stärken und ausbauen kann.

 

Da Sie gerade von Märkten sprechen: Welche aufstrebenden Märkte erachten Sie als interessant für Outsourcing-Aktivitäten? Während Jahren war China dominierend – welche Alternativen tun sich auf?

Das hängt stark davon ab, welche Absicht ein Unternehmen mit seiner Auslagerungsstrategie verfolgt. Wenn es primär darum geht, Kosten zu senken und Sparziele zu erreichen, sollten man in Märkte auslagern, die sich durch tiefe Arbeitskosten und viel verfügbaren Platz auszeichnen. Indien und die Philippinen sind in diesem Zusammenhang interessant und geniessen eine grosse Aufmerksamkeit bei Unternehmen. Gleiches gilt für Südamerika, insbesondere Kolumbien und Costa Rica verzeichnen momentan eine hohe Nachfrage. Wenn ein Unternehmen aber neue Innovationen entwickeln will, sollte es sich in Vietnam umsehen. Dort geschieht gerade sehr viel und dieser Trend dürfe in Zukunft anhalten. Darüber hinaus ist auch Südafrika interessant, das gilt insbesondere für Kenia. Und bevor es zu den Unruhen kam, war auch Ägypten für viele Unternehmen interessant.

 

Haben Sie einen konkreten Tipp für Schweizer Unternehmen?

Firmen mit Sitz in der Schweiz sollten nach Osteuropa Ausschau halten. Die Ukraine etwa bietet viel Potenzial. In diesen Gegenden finden sehr viele hochklassige Aktivitäten statt. Und man sollte nicht die Vereinigten Staaten übersehen, denn die unternehmen derzeit grosse Anstrengungen um wettbewerbsfähiger zu werden. In der Vergangenheit waren die USA sehr stark auf den inländischen Markt konzentriert. Doch dass ändert sich derzeit und amerikanische Unternehmen werden zunehmend attraktiver für internationale Partnerschaften. Und in Malaysia investiert die dortige Regierung aktuell grosse Geldsumme, um eine starke Arbeitskraft aufzubauen.

 

Was glauben Sie wird aus dem Titanen China? Wohin entwickelt sich das Reich der Mitte?

China befindet sich in einer einzigartigen Lage. Die dortige Arbeitskraft ist riesig. Bisher hat sie die mangelnde Qualität immer gebremst. Doch das ändert sich jetzt. China investiert in Qualität und baut seine eigenen IPs auf. Das hat natürlich zur Folge, dass die Arbeit teurer wird und China wird aus diesem Grund einen Teil seiner Kunden verlieren. Es wird darum sehr interessant sein zu beobachten, ob es dem Land gelingt, ein Hochqualitätsmarkt zu werden.