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Erfolgreiche digitale Transformation dank «IoT»-Einbindung

Technologie Ob «Internet der Dinge», «M2M» oder «Big Data»: Die Digitalisierung bringt viele Chancen für Schweizer KMU. Rainer Albert Stocker, Mitinhaber von «swiss1mobile», gibt im Interview wertvolle Tipps für die digitale Transformation und zeigt auf, wie mobile Prozesse in allen Branchen optimiert werden können.

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Rainer Albert Stocker, wie sollte ein Unternehmen vorgehen, wenn es die Chancen der Digitalisierung richtig nützen will?
Der wichtigste Aspekt ist das ganzheitliche Denken, das Verfolgen eines «out-of-the-box»-Ansatzes. Alle Prozesse der Organisation sollten transparent hinterfragt und für künftige Herausforderungen fit gemacht werden. Dabei muss stets aus Sicht des Menschen (nämlich einfach und pragmatisch), der Prozess-Vernetzung (z.B. mobile Abläufe, die man zentralisieren kann) und der Mithilfe der ICT (der digitalen Transformation: Apps, Sensortechnologie, Übermittlungs-Infrastruktur) gedacht werden. Auch Überlegungen aus Sicht der Zielgruppen und Wertschöpfungspartner sind wichtig.

Was gilt es weiter zu beachten?
Man muss darüber nachdenken, ob eine hierarchische Organisationsstruktur noch hilfreich ist, um auf die immer schnelleren Marktveränderungen reagieren zu können. Empfehlenswert sind auf jeden Fall agile und iterative Methoden. Das ganze Potenzial der Mitarbeitenden kann freilegen, wer diese von Beginn an involviert.

Wer soll diesen Prozess leiten?
Digitalisierung und «IoT» benötigen eine vernetzte Sichtweise. Am besten bildet man ein kleines, heterogenes Team, das die Digitalisierung vorantreibt. Heterogen bedeutet, dass neben Technologie-, IT-, Prozess- und Fach-Spezialisten auch ein Organisations-entwickler im Team sein sollte. Falls intern zu wenig Technologie- Know-How vorhanden ist, macht die Unterstützung durch externe Spezialisten, die bereits «IoT»-Projekte umgesetzt haben, natürlich Sinn.

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Rainer Albert Stocker, Mitinhaber von swiss1mobile

Das trifft zum Beispiel auf Ihre Firma zu. Was sind die Kernkompetenzen von swiss1mobile?
Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit mobilen Prozessen, also mit allen Abläufen, die nicht «in-house» einer Firma ablaufen. Das können Produkte sein oder Menschen, die sich in diesen Prozessen bewegen und dafür eine digitale App benötigen – eine intelligente Plattform, die auch mit dem hauseigenen System vernetzt ist. Durch die Zentralisierung der Abläufe auf einer Plattform ergeben sich Synergien, die allenfalls auch für andere Firmen und Prozessteilnehmer interessant sein können.

Zum Beispiel?
Bei unserer Zusammenarbeit mit dem Heizsystemhersteller «Hoval» etwa haben wir gemerkt, dass die Betriebsstundenzählung nicht nur für die Wartung der Heizung, sondern auch für den Kaminfeger relevant ist. Hoval hat deshalb eine Franchising-App lanciert, damit den Kaminfegern die Daten ebenfalls zur Verfügung stehen und sie so ihre Einsätze viel einfacher planen und mit den Kunden vereinbaren können. Ermöglicht wird das durch die Vernetzung von digitalen Daten.

Wie ausgereift muss ein neues digitales Konzept sein, damit man es implementieren kann?
Unternehmen dürfen in dieser Hinsicht ruhig «Mut zur Lücke» haben. Wer 100 Prozent sicher sein will, bevor er etwas versucht, wird hundertprozentig zu spät sein. «IoT» in Prozessen ist eine neue Technologie, deren Nutzen man erst dann richtig verstehen lernt, wenn man sie anwendet. Man sollte deshalb frühzeitig mit einem ersten Experiment starten, auch wenn man weiss, dass noch nicht alles vollständig durchdacht und klar ist. Nur mit Praxiserfahrung kann eine wirkungsvolle Digitalisierungs- Strategie mit einer «Roadmap to Success» entwickelt werden.

Mit welchen Vorteilen kann ein Unternehmen rechnen, wenn es eine solche Strategie erfolgreich entwickelt und umgesetzt hat?
Mit «IoT»-Anwendungen, Datenanalysen und automatisierten Prozessen erhöht sich branchenunabhängig die Produktivität. Die Kosten wiederum sinken und ermöglichen neue Angebote und Serviceleistungen, etwa auch im Bereich der Kundenbindung und prediktiven Leistungserbringung. Auch dazu ein Beispiel: Die Carlsberg-Feldschlösschen AG hat die gesamte Wertschöpfungskette der Tanks, Services, Auslieferung an Restaurants, Füllmengen, Orte und Wetterprognosen mit digitaler Prozess-Hilfe von uns umgesetzt. Für dieses Projekt hat swiss1mobile 2014 den europäischen «M2M-IoT-Challenge»-Preis gewonnen.

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Durch die IOT-Lösung von swiss1mobile AG löst der Carlsberg-Feldschlösschen-Biertank bei geringem Füllstand selbstständig eine neue Lieferung aus und steuert sämtliche Liefer-, Verkauf-, Marketing-, Service- und Technikabläufe.

Ein Kunde möchte, dass Sie sein Unternehmen auf das Potenzial für Digitalisierung überprüfen. Wie gehen Sie vor?

Wir gehen zuerst in eine Workshop- und Konzeptphase und besprechen, was überhaupt gefordert ist. Wie ist das Unternehmen organisiert? Wie laufen die Prozesse ab? Wir schauen uns die gesamte Wertschöpfungskette mit allen Teilprozessen an und überprüfen, welche digitalen Möglichkeiten bereits etabliert sind. In einem zweiten Schritt suchen wir dann Lösungen für diejenigen mobilen Bereiche, in denen noch Potenzial schlummert, und vernetzen diese. Swiss1mobile bietet aber nicht nur Consulting an, sondern hat auch das Fachwissen, um die benötigte Technologie zu entwickeln und zu implementieren.

Worauf achten Sie, wenn Sie mit einem Kunden eine digitale Anwendung erarbeiten?
Wir fokussieren stark auf die Menschen, die in den entsprechenden Prozessen tätig sind. Es bringt nichts, wenn wir eine hochkomplexe App entwickeln, diese dann aber von den Betroffenen nicht bedient werden kann. Entscheidend ist für uns eine praxisorientierte Gestaltung der Applikationen mit einem Display, das eine unkomplizierte Handhabung ermöglicht. Die Prozesse sollen nicht nur im Unternehmen insgesamt vereinfacht werden, sondern eben auch für die einzelnen Mitarbeiter.

Haben Sie eher grosse Unternehmen oder auch KMU in Ihrem Auftragsportfolio? Aus welchen Branchen stammen Ihre Kunden?
In der Schweiz sind es hauptsächlich KMU, die aus den unterschiedlichsten Branchen stammen. Wir sind «cross-market»-seitig orientiert: Von der Baufirma, mit der wir eine Weiterentwicklung des klassischen BIM-Modells erarbeitet haben, bis hin zum Winzer, den wir mit einer Lösung zur Früherkennung von Schädlingsbefall an den Weinreben unterstützen. Gemeinsam ist diesen Projekten die Verbindung von verschiedenen Sensoren mit einer individuellen Software, wodurch wir den Kunden eine auf ihre Bedürfnisse angepasste Applikation zur Verfügung stellen können.

Heutzutage spricht jeder von «Big Data». Können Sie ein konkretes Beispiel geben, wie ein Unternehmen von der Erfassung und Analyse von Daten profitieren kann?
Mit «Griesser Storen» haben wir ein spannendes Pilotprojekt realisiert, bei welchem wir lokale Wetterprognosen in die Steuerung von Storen an grossen Gebäuden miteinbezogen haben. Ziel der Idee war die Vermeidung von Schäden an den Storen durch Hagelschauer, was die Versicherungen jedes Jahr grosse Summen kostet. Durch die Verbindung der Prognosedaten von MeteoSchweiz mit der Markierung der betreffenden Gebäude auf der Landkarte entwickelten wir eine einzigartige Software, welche die Storen nun fünf Minuten vor einem Hagelschauer automatisch hochzieht. Solche Projekte lassen sich natürlich nur umsetzen, wenn alle beteiligten Partner bereit sind, ihren Teil beizutragen.

Welchen beruflichen Background bringen die Mitarbeiter von swiss1online mit?
Ich selber habe Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft an der Fachhochschule und Prozesswissenschaft an der ETH (SCM) studiert. Die Kombination dieser drei Studienrichtungen steht eigentlich stellvertretend für den Hintergrund unserer Mitarbeiter. Wir haben Software-Entwickler genauso im Team wie Tool- und Firmware-Experten oder auch Engineering-Spezialisten. Sie alle sind global vernetzt, was für unsere Arbeit extrem wichtig ist.

Dieses Netzwerk ist sicherlich auch zentral, um die notwendige Innovation zu gewährleisten?
Ja, absolut, das funktioniert nur so. Wir arbeiten mit Leuten zusammen, die sich sehr stark spezialisiert haben. Diese Spezialisten würde man nie in einem Unternehmen binden können, das ist nicht möglich. Man muss Kooperationen eingehen mit diesen Cracks, die oft nebenbei auch ihre eigenen Firmen haben.

Was zeichnet swiss1mobile als Arbeitgeber aus?
Unsere Mitarbeiter schätzen das vielseitige, fachübergreifende Arbeiten. Bei uns wird nicht einfach im stillen Kämmerlein an etwas herumgetüftelt, im Gegenteil: Unsere Leute arbeiten «draussen» bei den Kunden, sind mobil, damit sie immer wieder in die Prozesse hineinsehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil diese Prozesse in der Realität ganz anders ablaufen als auf der Flip-Chart-Darstellung der Geschäftsleitung. Kurzum: Bei swiss1mobile legen wir viel Wert auf einen direkten Draht zu den Kunden und einen starken Praxisbezug.

Blick in die Glaskugel: Welche technischen Entwicklungen werden in den nächsten fünf Jahren den Durchbruch schaffen?
Ich bin der Überzeugung, dass insbesondere die Sensorentechnik immer wichtiger wird. Sensoren, welche die Sinne des Menschen wie das Hören, Fühlen, Sehen und Riechen «nachahmen», werden in Verbindung mit Tablets zahlreiche neue Möglichkeiten eröffnen. Wir haben bereits eine Anwendung entwickelt, die via Tablet die dreidimensionalen Ausmasse eines Produkts, etwa eines Kartons, erkennt und anzeigt. Dadurch lässt sich zum Beispiel im Logistikbereich viel besser planen, was wo platziert werden muss oder wo welches Teil in der Auslieferung mitgeliefert wird.

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Abbildungen: (c) swiss1mobile