Railway Tracks at Sunset

Ethik zahlt sich aus – der Fall Stadler Rail und Weissrussland

Human Resources Das Schweizer Unternehmen Stadler Rail gewann 2010 eine internationale Ausschreibung der Weissrussischen Eisenbahn für die Lieferung von 10 FLIRT (Flinker Leichter Innovativer Regional Triebzug). Dies gab zu reden, weil Weissrussland von einem Regime regiert wird, das immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen in die Kritik gerät.

SMA

SMA

Verfasser: Markus Huppenbauer & Ivo Wallimann-Helmer

Recht und Ethik

Peter Spuhler, Chef von Stadler Rail, stellte sich den Vorwürfen der Medien. Er argumentierte aber in erster Linie legalistisch, sprich an Paragrafen festhaltend. Es sei nicht die Aufgabe von Unternehmen weltweit die moralische Instanz zu spielen, dafür seien der Bundesrat, die EU oder die Vereinten Nationen zuständig. Darüber hinaus verstosse Stadler Rail weder gegen Embargos noch Sanktionen.
All dies ist korrekt, überzeugt aber nicht restlos. Gesetze einzuhalten, reicht heute nicht mehr, um ethisch auf der sicheren Seite zu sein. Stadler Rail müsste vielmehr zeigen, dass ihr Geschäft mit einem weissrussischen Partner keinen Menschenrechtsverletzungen Vorschub leistet.

 

Ethische Integrität kommunizieren

Für Stadler Rail wäre deshalb ein anderer Fokus in der Kommunikation von Vorteil gewesen. Das Unternehmen hätte nämlich aufgrund einer ethischen Lagebeurteilung problemlos zeigen können, dass ihm kaum etwas vorzuwerfen ist, dass es also ethisch integer ist:
1.) In der Produktion der FLIRT ist Stadler Rail selbst nicht in Menschenrechtsverletzungen involviert. 2.) Die Arbeitsplätze in den Schweizer Produktionsstätten können aufrechterhalten und sogar neue geschaffen werden. 3.) Die Lieferung der FLIRT bedeutet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Mobilität der Bevölkerung in Weissrussland.

Ethische Integrität sichern

Für eine sachgemässe ethische Lagebeurteilungen braucht es spezifische Kompetenzen. Aber auch das reicht noch nicht, um die ethische Intergrität eines Unternehmens nach aussen klar zu kommunizieren. Es bräuchte ein klares Commitment von Stadler Rail, wie das Unternehmen zu Menschenrechtsverletzungen steht. Es bräuchte eine Erklärung, wann die Grenzen des Tragbaren erreicht sind. Dies macht zumindest einen Code of Conduct und dessen Schulung nötig.
Weil sich Situationen wie diese immer wiederholen können, ist es für Unternehmen von grosser Bedeutung, ethische Lagebeurteilungen jederzeit durchführen, umsetzen und kommunizieren zu können. Unserer Meinung nach verlangt das nach kontinuierlicher und kompetenter Schulung.