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Die Differenz von 3000 Arbeitskräften wird im Ausland abgedeckt.

Fachkräftemangel: Notfallszenarien in der IT-Branche

Technologie Eine Branche schlägt Alarm: Jedes Jahr fehlen in der Schweiz Tausende von ausgebildeten Informatikern. Die Unternehmen weichen zunehmend ins Ausland aus.

SMA

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Im Dezember letzten Jahres ist die Meldung des Finanzportals Finews fast untergegangen, obwohl sie das einschneidende Szenario für die Zukunft der IT-Branche beschrieb. Die Schweizer Bank UBS plane in den nächsten zwei Jahren, 2000 IT-Stellen von den Standorten Zürich und London in die USA, nach Polen oder nach Asien auszulagern. Ein Grund für die Verschiebung sei das dortige Reservoir an gut ausgebildeten Informatikern, während in Europa aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Absolventen junge Talente mittelfristig fehlen würden.

Diesen generellen Befund bestätigt auch eine Befragung von PricewaterhouseCoopers unter Schweizer Familien-Firmen: Demnach erachten 74 Prozent der Patrons die Rekrutierung von Fachkräften generell als die derzeit grösste Herausforderung. Dem gegenüber steht wiederum die Tatsache, dass die IT-Branche jedes Jahr 1000 bis 2000 Lehrstellen zu wenig anbiete und gleichzeitig ständig über Fachkräftemangel klagt. Der Verband ICT-Berufsbildung rechnet bis ins Jahr 2022 mit einem Mangel von 30 000 Personen. Was läuft schief in dieser Branche?

Informatikstudium

Quereinsteiger gefragt

«Wegen des technologischen Fortschritts, des Wirtschaftswachstums und der anstehenden Pensionierungen sollten jährlich 10 000 Nachwuchsinformatiker auf den Arbeitsmarkt kommen», sagt der Geschäftsführer des ICT-Berufsbildung, Jörg Aebischer. Tatsächlich aber würden nur rund 3500 Informatiker ausgebildet. Etwa gleich viele werden aus dem Ausland geholt, doch diese Praxis wird die Umsetzung der Zuwanderungsinitiative künftig erschweren. «Die Differenz von 3000 Arbeitskräften zeigt sich nicht anhand leerer Stühle», sagt der Branchenkenner. Vielmehr würden die Stellen – und damit auch die Wertschöpfung – ins Ausland ausgelagert. «Schade und schlecht für die Schweizer Wirtschaft», findet Aebischer, wie das einleitende Beispiel der Bank UBS zeigt, die rechtzeitig die Weichen stellen muss, um auf den mehr als ausgetrockneten Markt zu reagieren.

Um mehr Leute in die Informatik zu locken, hat der Verband eigens eine Kampagne lanciert. «Wir wollen das Image des Technik-Nerds korrigieren und zeigen, dass es sich um kreative Zukunftsjobs handelt», erklärt Aebischer. Zudem sollen Firmen wachgerüttelt werden. Denn in der Nachwuchsförderung seien sie immer noch zu wenig aktiv, bedauert er.

Erhöhte Anforderungen

Die Anforderungen an die IT-Spezialisten werden immer komplexer und entwickeln sich rasant. Cloud Computing, Big Data oder die Software-Entwicklung für mobile Geräte sind noch vor wenigen Jahren noch kein Thema gewesen, heute aber der Stand der Technik. Zudem geht es in Zukunft auch immer weniger um reine Technologie: Neben der Softwareentwicklung und den Konfigurationen stehen nun integrierte Prozesse und die damit verbundene Prozessberatung im Vordergrund.