People Planning in a Conference and Innovation Concept

Die grösste Herausforderung sind oft die Finanzen.

Firmengründung: Produkt, Markt, Kapital

Leadership Eine innovative Idee sowie deren Umsetzung auf dem Markt sind schon grosse Schritte in Richtung eines neuen Unternehmens – als grösste Herausforderung erweisen sich aber oft die Finanzen.

Nadine Lehtinen

Smart Facts

Tipp für JungunternehmerInnen: Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVgI ) und die Wirtschaftsförderungen der Kantone geben nützliche Ratschläge zur Finanzierungsberatung.


Unternehmensgründung ist an Hochschulen und Universitäten mittlerweile zum Unterrichtsthema geworden. Im Vergleich zu anderen Ländern ist es in der Schweiz relativ einfach, ein Unternehmen zu gründen. Kaum ein Beruf verlangt hierzu besondere Bewilligungen – Ausnahmen bilden reglementierte Bereiche auf Bundes- und Kantonsebene (Gesundheit, Verkehr etc.). Eine Personengesellschaft kann ohne Formalitäten gegründet werden, eine Mehrwertsteuernummer sowie eine juristisch und steuerlich angemessene Unternehmensstruktur werden erst später notwendig.

Natürlich sind einige Behördengänge unerlässlich, wobei der Amtsschalter für Unternehmensgründungen behilflich ist. Kantonale Wirtschaftsförderungen und Schweizer Technologie- und Gründerzentren sind ideale regionale Anlaufstellen, die mit nützlichen Ratschlägen aufwarten und teilweise Lokalitäten und Dienste zu interessanten Bedingungen anbieten. Sinnvoll können auch Firmengründer-Clubs sein, wo man sich über Informationen und Erfahrungen austauschen kann.

Startup Durchbruch

Bankkredite und alternative Finanzierungsformen

Das Produkt, der Markt und die Finanzierung sind die drei wesentlichen Bestandteile, die bei einer Firmengründung zusammengeführt werden müssen. Die grösste Herausforderung stellen gerade für Jungunternehmerinnen und -unternehmer oft die Finanzen dar. Ist nicht ausreichend Eigenkapital vorhanden, braucht es ein überzeugendes Finanzierungskonzept. Für junge Firmen erweist es sich als besonders schwierig, Fremdkapital zu bekommen, denn die Banken vergeben ihre Kredite mittlerweile nur mehr sehr zurückhaltend und haben die Anforderungen an Unternehmen erhöht. Der Businessplan muss ausgereift und der Bedarf sehr klar begründet und ausgewiesen sein, um überhaupt eine Chance auf einen Kredit zu haben.

Das Produkt, der Markt und die Finanzierung sind die drei wesentlichen Bestandteile, die bei einer Firmengründung zusammengeführt werden müssen.

Aus diesem Grund wird den Schweizer Banken häufig die Behinderung der Wachstumsfähigkeit von KMU vorgeworfen. Andererseits fördert diese Tatsache aber auch die Entwicklung alternativer Finanzierungsformen wie Business Angels oder Venture Capital sowie KMU-Börsen. Business Angels treten in der Aufbauphase eines Unternehmens auf, indem sie sich mit ihrem Privatvermögen am Wachstumskapital beteiligen. Venture Capital wird an Firmen mit grossem Wachstumspotenzial vergeben, um von einer schnellen Unternehmenswertsteigerung profitieren und durch optimale Exit-Strategie einen Teil davon als Gewinn zu realisieren.

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Alle Alternativen fordern im Vergleich zu Bankkrediten jedoch höhere Renditen sowie Mitspracherecht bei der Unternehmensführung – sozusagen als Entschädigung für die Finanzierung sowie die Übernahme von Unternehmensrisiken. Die Vorteile sind sicherlich die Kapitalbereitstellung in wichtigen Phasen der Unternehmensentwicklung, in denen Banken aufgrund von Risikoüberlegungen nicht in Frage kommen. Auch die Unterstützung in der Unternehmensführung erweist sich oft als nützlich, kann jedoch gleichzeitig zu Unabhängigkeitsverlust führen.

Die Resultate einer Umfrage von 2007 anlässlich einer Diplomarbeit an der Universität Zürich ergaben aber, dass nur 19 Prozent der 324 befragten Schweizer Unternehmen Interesse an alternativen Finanzierungsformen zeigten: Die Erhaltung der eigenen Unabhängigkeit stellt für 78 Prozent der Firmen ein wichtiges Bedürfnis dar. Die hohen Renditeforderungen stellen einen weiteren Nachteil dar, die das Management der Firma stark belasten können, wollen sie die hochgesteckten Ziele erreichen. Generell steigen Investoren erst ein, wenn ein Unternehmen ausreichend Substanz vorweist. Daher fehlt es gerade in der Frühphase – wenn Ideen geboren und in die Praxis umgesetzt werden sollen – häufig an finanzieller Unterstützung.

«Gerade in der Frühphase eines Unternehmens fehlt es häufig an finanzieller Unterstützung»

Öffentliche Unterstützung

Viele Staaten leisten direkte Förderbeiträge für Start-ups oder für den Ausbau von Produktionsstätten. In der Schweiz hingegen gibt es kaum direkte öffentliche Fördermittel – indirekt unterstützt der Bund aber Venture-Capital-Gesellschaften und private Investoren, da er diese von Emissionsabgaben befreit und ihnen Erleichterung bei der direkten Bundessteuer gewährt.

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Der Beitrag von Bund und Kantonen besteht in erster Linie in der Schaffung von Rahmenbedingungen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bietet zurzeit vor allem administrative Unterstützung im Umgang mit Behörden und Ämtern an – ähnlich die Gründungsplattform des Kantons Zürich. Kantonale Wirtschaftsförderungen beteiligen sich normalerweise auch nicht direkt an Unternehmen, können aber mit der Vermittlung von günstigem Bauland oder mit Steuererleichterungen in den ersten Jahren hilfreich sein.

Allerdings betreffen diese Steuererleichterungen hauptsächlich Unternehmen im Bereich Spitzentechnologie, wo die hohen Wachstumsraten die Risiken auffangen können. Wer jedoch bei der kantonalen Wirtschaftsförderung auf offene Ohren stösst, hat durchaus Chancen, auch vom Bund Unterstützung zu bekommen – besonders dann, wenn ein neuer Betrieb in einem wirtschaftlich benachteiligten Gebiet (ländliche Regionen oder Berggebiete) angesiedelt ist sowie Arbeitslose beschäftigt. Solchen Firmen gewährt der Bund Steuererleichterungen bei der direkten Bundessteuer. Die Eidgenössische Stiftung zur Förderung schweizerischer Volkswirtschaft vergibt zinslose Darlehen (Seed Money, Anschubfinanzierung) bis maximal 150 000 Schweizer Franken, erwartet jedoch von den Unternehmern einen persönlichen finanziellen Einsatz.