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Ein Lift befördert die Fahrzeuge von Cargo sous terrain in den unterirdischen Tunnel. Quelle: www.cargosousterrain.ch

«Für die Feinverteilung in den Städten braucht es innovative Konzepte und Technologien»

Technologie Die Zukunft der Logistik liegt unter der Erde. So sieht es das nachhaltige Projekt Cargo sous terrain vor. Wo die Tunnel geplant sind und ob der enge Zeitplan realistisch ist, weiss Peter Sutterlüti, der Präsident von CST.

Miriam Dibsdale

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Peter Sutterlüti, wie ist die Idee für das Projekt Cargo sous terrain entstanden?

2013 wurde unter massgeblicher Beteiligung des schweizerischen Detailhandels und weiterer wichtiger Marktakteure der Förderverein Cargo sous terrain (CST) gegründet, welcher in den Folgejahren eine zweistufige Machbarkeitsstudie für ein teilweise unterirdisch verlaufendes Logistiksystem durchführte. Anfang 2017 formierte sich die Cargo sous terrain AG, der heute über 40 Firmen angehören. Unternehmen wie Antrimon, Coop, Credit Suisse, Helvetia, Migros, Mobiliar, die Post, S

wisscom und die Zürcher Kantonalbank haben für die Zukunft 100 Millionen Franken zugesichert, um die Planung von CST in Angriff nehmen zu können.

Können Sie uns erklären, wie das System funktioniert?

CST ist ein digitales Gesamtlogistiksystem für die Schweiz, das die ganze Warentransportkette vom Produzenten bis zum Empfänger abdeckt. Dazu gehören ein Tunnelsystem zwischen Städten und Industriezentren, die City-Logistik als Feinverteilung im Nachgang zum Tunnel und ein Steuerungssystem zur Regelung und Überwachung aller transportierten Güter. CST zeichnet sich dadurch aus, dass es den kontinuierlichen Fluss kleinerer Einheiten wie Paletten, Kleinbehälter, Pakete sicherstellt und mit einem mobilen Auslieferungslager unter der Erde die Logistikbedürfnisse von morgen abdeckt.

CST liefert eine Antwort auf das Verkehrswachstum. «Menschen oberirdisch – Güter unterirdisch» lautet das Motto. Es ist ein Gesamtnetz zwischen dem Boden- und Genfersee mit Ablegern nach Basel und Zürich geplant, jedoch keine Strecke ins Tessin. Darf die Gesellschaft dennoch von staufreien Fahrten durch den Gotthard träumen?

Ja, dafür gibt es die NEAT (Anm. d. Red. Neue Eisenbahn-Alpentransversale) und den Gotthard-Basistunnel. CST lässt sich ab Luzern nahtlos an diese Transportachse anschliessen. Unser eigenes Netz erstreckt sich über das Mittelland und ist in einer Tiefe von 20-50 Metern angesiedelt.

Bei dem Projekt steht auch das Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Wie viel Bedeutung wird diesem Thema bei CST beigemessen?

Wir haben von Anfang an CST als nachhaltiges Projekt konzipiert, das war durchwegs die Vorgabe. Unsere Studien haben nachgewiesen, dass CST bei Landverbrauch, CO2-Ausstoss, Staus und Lärm bedeutende Reduktionen bringen wird. Und es schont auch die Staatskasse dank privater Finanzierung.

Der beste Beleg dafür ist, dass wir es geschafft haben, die erwähnten Investoren mit 100 Millionen Franken anzuziehen.

Die geplante Inbetriebnahme des Gütersystems ist 2030. Ist das aus heutiger Sicht ein realistisches Ziel?

Es ist realistisch und zugleich ambitioniert. Im Jahr 2030 wird die erste CST-Teilstrecke von Härkingen-Niederbipp nach Zürich in Betrieb gehen. Den entsprechenden Willen bei allen Beteiligten vorausgesetzt, ist dieser Zeitplan machbar. Wir spüren grosses Interesse aus der Wirtschaft, beim Bund und aus der Bevölkerung, dass unser Vorhaben rasch umgesetzt wird.

Kritiker bemängeln, dass die Idee zwar interessant ist, aber kaum je rentieren wird. Eine Machbarkeitsstudie hat das Gegenteil aufgezeigt. Was waren die Resultate und wie zuverlässig kann man sich auf sie verlassen?

Der beste Beleg dafür ist, dass wir es geschafft haben, die erwähnten Investoren mit 100 Millionen Franken anzuziehen. Wenn Sie sich diese Firmen ansehen, können sie davon ausgehen, das diese nicht in ein Minusgeschäft investieren – sondern unsere Businesspläne genaustens geprüft haben.

Alleine für die erste geplante Etappe zwischen Niederbipp und Zürich sind total 3.5 Milliarden vorgesehen. Wie hoch schätzen Sie die gesamten Investitionen?

Für den Ausbau des gesamten Netzes mit den Eckpunkten Genf, St. Gallen, Basel, Luzern und einem Ast nach Thun veranschlagen wir zum heutigen Zeitpunkt Investitionen von 33 Milliarden Franken.

Cargo sous terrain liegt, wie der Name schon sagt, unter der Erde. Eine andere oft diskutierte Transportmethode ist die Verteilung von Waren mit Hilfe von Drohnen. In welche Richtung wird sich der Warentransport in Zukunft entwickeln?

Für die Feinverteilung in den Städten braucht es innovative Konzepte und Technologien. Da sind Drohnen eine interessante Möglichkeit. Wir setzen vor allem auf stadtgerechte, leise Elektrofahrzeuge, welche die Waren ab dem CST-Tunnel bis zum Empfänger bringen werden.

Aktuell ist unterirdisch nur der Transport von Waren mit unbemannten Fahrzeugen geplant, nicht aber der Transport von Menschen. Wäre das zu einem späteren Zeitpunkt auch eine Option?

Nein, wir konzentrieren uns ganz auf den Gütertransport.

Welche weiteren Trends sehen Sie im Bereich Supply- Chain-Management?

Ein ganz klarer Trend ist die Verlagerung hin zu kleinteiligen Sendungen statt grossen Einheiten wie Containern. Heute will man alles schnell und unkompliziert zum gewünschten Zeitpunkt erhalten. Darauf antworten wir mit CST, das eine äusserst flexible, digital gesteuerte Logistik anbietet.