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Hiesige Unternehmen können nach wie vor die «Swissness» für sich in Anspruch nehmen – ein wichtiges Gütesiegel im internationalen Wettbewerb.

Günstiger produzieren – trotz «Made in CH»

Leadership Die Schweizer Industrie hebt sich im internationalen Wettbewerb vor allem durch Innovation und Qualität ab. Dennoch kommen auch hiesige Unternehmen nicht um die Preisdiskussion herum. Eine Lösung: Der Mix aus ausländischer Produktion und heimischer Montage.

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Die industriellen Betriebe in der Schweiz weisen im internationalen Wettbewerb viele Stärken auf. «Eine absolut zentrale ist dabei die Stabilität», betont Prof. Dr. Roman Boutellier, ehemaliger CEO von SIG und Professor für Technologie- und Innovationsmanagement an der ETH. Boutellier weiss aufgrund langjähriger Erfahrung genau, welche Erfolgsfaktoren die hiesige Industrie sonst noch aufweist. «Wir verfügen hierzulande über vergleichsweise günstiges Kapital.» Dadurch können Schweizer Unternehmen hochentwickelte automatisierte Prozesse durchführen. Zudem geniesse die Schweiz – gerade wenn es um das Thema «Sicherheit» geht – einen hervorragenden Ruf und hat entsprechend einen grossen Vorteil gegenüber Mitbewerbern.

Die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern ist je nachdem ein komplexes Unterfangen.

Doch es gibt auch Schattenseiten. Ein grosses Problem, welches  alle Branchen plagt, die Industrie aber besonders trifft, ist der hohe Frankenkurs. Die Arbeit in der Schweiz ist teuer. Sehr teuer, wenn man sie mit Leistungen aus aufstrebenden Märkten vergleicht. Erschwerend hinzu kommt das hohe Lohnniveau hierzulande. Diese Probleme sind nicht einfach zu lösen. Neue Ansätze und Konzepte müssen daher gefunden werden, um die negativen Auswirkungen zu minimieren. Eine Lösung liegt im Outsourcing.

Qualitaet Fabrikation

Geteilte Arbeit, doppelte Wertschöpfung

«Ein Ansatz, der erfolgversprechend ist, liegt in der Kombination von Billiglohntätigkeiten mit einer Produktion in der Schweiz», führt Roman Boutellier aus. Schweizer Unternehmen lagern dafür die Fabrikation gewisser Komponenten wie Maschinenteilen aus, oder handarbeitsintensive Schritte. Diese werden nach Ägypten, in ein aufstrebendes Technologieland wie Vietnam oder in eines der Länder in Südamerika outgesourced. Die finale Fertigung und die Montage des Produktes erfolgt dann wieder in der Schweiz, ebenso wie allfällige dazugehörige IT-Arbeiten, wie die Installation von Betriebssoftware.

«Diese Art der Kombination hilft, Qualität zu waren und dennoch kostengünstiger zu produzieren», erklärt Boutellier. Ein weiterer Vorteil: Hiesige Unternehmen können nach wie vor die «Swissness» für sich in Anspruch nehmen – ein wichtiges Gütesiegel im internationalen Wettbewerb.

Welcher Markt bietet was?

Die Zusammenarbeit mit ausländischen Outsourcing-Partnern ist je nachdem ein komplexes Unterfangen. Klar ist: Ohne einen verlässlichen Industriepartner sind Auslagerungen von Fertigungsprozessen zum Scheitern verurteilt. Eine eingehende Recherche über das Angebot ausländischer Märkte ist daher Pflicht. Ein verlässlicher Partner für Schweizer Unternehmer ist natürlich Deutschland. Die gemeinsame Sprache, eine Kultur, die mit derjenigen der Schweiz vergleichbar ist sowie der hohe Stellenwert von Qualität machen deutsche Unternehmen zu verlässlichen Partnern von hiesigen Firmen. Zudem produzieren die nördlichen Nachbaren in vielen Fällen billiger. Es überrascht daher auch nicht, dass die meisten Deutschschweizer Firmen ihre ersten Expansionsschritte jeweils in Richtung Deutschland unternehmen.

Small quality

Noch günstiger wird weiter östlich produziert. In der Region um Ungarn bilden sich Unternehmen heraus, die sich insbesondere im Technologiebereich hervortun. Und im asiatischen Raum locken aufstrebende Wirtschaftsmärkte wie Myanmar, Vietnam und – natürlich – China. Der Wirtschaftsgigant durchläuft gerade eine Phase der Veränderung: Man bewegt sich weg von der ganz billigen Massenproduktion und setzt zunehmend auf Qualität. Eine Tatsache, von der Schweizer Unternehmen profitieren können.

Geht es um eine Expansion oder eine Auslagerung in ein anderes Land, müssen Partnerschaften vor Ort etabliert und gepflegt werden. Ohne regionales Know-how wird keine Zusammenarbeit Früchte tragen.
In der Schweiz helfen Handelskammern, Outsourcing-Profis sowie verschiedene Consulting-Unternehmen dabei, seriöse Partnerschaften mit ausländischen Unternehmen aufzugleisen.

Auch für die Kleinen durchaus geeignet

Outsourcing wird von vielen Unternehmern fälschlicherweise als etwas verstanden, dass sich nur für grössere Firmen lohnt. Ein Trugschluss, weiss David Statna, Director Wirtschaftsberatung von PwC Zürich. «Es bieten sich auch für KMU mehr und mehr Möglichkeiten, mit Outsourcing-Partnern zusammenzuarbeiten, die speziell auf KMU und somit auf kleinere Volumina ausgerichtet sind.»