Super Arbeitgeber

Es braucht viel um als Super-Arbeitgeber zu gelten .

Gute Arbeitgeber fallen nicht vom Himmel

Human Resources Ob online, betriebsintern oder durch ein Institut – das Angebot an Arbeitgeberbewertungen wächst. Viele Unternehmen möchten als guter Arbeitsplatz ausgezeichnet werden. Doch der Weg an die Spitze der Arbeitgeber ist hart.

Leslie Haeny

Leslie Haeny

Das sind die Top-Arbeitgeber 2015:

Jedes Jahr führt Great Place to Work ein Arbeitgeberranking durch. Diese Firmen haben es in der Schweiz unter die top 10 der Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern geschafft:

  1. Google Schweiz GmbH
  2. Hilti AG
  3. Biogen International GmbH
  4. Mc Donald’s Schweiz
  5. Endress + Hauser Flowtec AG
  6. Federal Express Europe Inc.
  7. Edelweiss Air AG
  8. Dow Europe GmbH
  9. SAP Schweiz AG
  10. Hugo Boss Ticino SA
Rutschbahnen, Billardtische, Chill Out-Zonen, Weiterbildungsangebote und viele Freiheiten: Wegen solcher Angebote träumen Tausende von einer Stelle bei Google. So ist es nicht verwunderlich, dass der Internetgigant in vielen Ländern als Wunscharbeitsplatz gilt. Auch in der Schweiz wurde Google mehrere Male zum besten Arbeitgeber gekürt und ist der «Great Place to Work 2015».

Senior Consultant Dirk Hanebuth von Great Place to Work, meint zur Arbeitnehmerzufriedenheit beim Onlineriesen: «Google tut wahrscheinlich so ziemlich alles Erdenkliche, damit es den Mitarbeitern gut geht.» Ausserdem sei Google sehr progressiv und mutig, probiere neues aus und involviere die Mitarbeiter in wichtige Prozesse und Entscheidungen.

«Dazu muss eine Firma schon richtig Gas geben.»

Great Place to Work befasst sich aber nicht nur mit Google. Das international tätige Forschungs- und Beratungsinstitut bewertet die Mitarbeiterzufriedenheit verschiedenster Unternehmen. Die Bewertung der Arbeitnehmerzufriedenheit erfolgt dabei auf zwei Ebenen: Einerseits wird eine Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Diese besteht aus 58 Fragen, von denen ein grosser Teil direkt oder indirekt mit der Arbeitszufriedenheit zusammenhängen.

Wir haben sogar viele Firmen, die einen Wert über 90 Prozent erzielen.»

Aus den Befragungen wird der sogenannte «Trust Index» errechnet. Hanebuth sagt: «Wir haben sogar viele Firmen, die einen Wert über 90 Prozent erzielen.» Es sei aber extrem schwer ein solches Ergebnis zu erzielen. «Dazu muss eine Firma schon richtig Gas geben.» Die Befragungen ergeben auch, dass nicht immer alles perfekt sein muss, damit Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen und der Ansicht sind, ihre Firma sei ein toller Arbeitsort.

«Gibt es eine Diskrepanz, gehen wir auf Spurensuche»

Nicht nur die Mitarbeiterperspektive ist für Great Place to Work ein Bewertungsindikator. Die Managementperspektive wird in Form eines Dokumentes ebenfalls berücksichtigt und bewertet. In diesem Dokument erklärt das Management genau, wie betriebsinterne Prozesse, wie beispielsweise die Einführung neuer Mitarbeiter gehandhabt werden. Das Dokument und die Ergebnisse der Arbeitnehmerbefragung werden anschliessend miteinander verglichen. «Wenn es da irgendwo eine Diskrepanz gibt, dann gehen wir auf Spurensuche», sagt der Senior Consultant.

von Arbeitnehmern

Von Angestellten für Angestellte

Abgesehen von Great Place to Work existieren noch viele weitere Institute, die sich mit Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitgeberbewertungen auseinandersetzten. Auf der öffentlichen Plattform Kununu können Mitarbeiter ihre ehemaligen oder aktuellen Arbeitgeber bewerten. Von Arbeitnehmern für Arbeitnehmer lautet das Kredo von Kununu.

«Theoretisch könnten solche Plattformen fantastisch sein. Die Bewertungen entziehen sich aber der Kontrolle.»

Auch viele grosse Schweizer Unternehmen wie Swisscom, Migros und die SBB finden sich auf dem Bewertungsportal. Dirk Hanebuth gibt allerdings zu bedenken, dass die Ergebnisse auf solchen Plattformen nicht unbedingt valide sind. «Theoretisch könnten solche Plattformen fantastisch sein. Die Bewertungen entziehen sich aber der Kontrolle.»

Führungsqualität von Vorgesetzten beeinflusst Zufriedenheit

Für Firmen wie die SBB gehören Mitarbeiterbefragungen mittlerweile zum normalen Betriebsablauf. Das Bahnunternehmen führt, als einer der grössten einheimischen Arbeitgeber, alle zwei Jahr eine Vollumfrage durch. «Dabei werden unter anderem Fragen zur Personalmotivation und zum Vertrauen in die Konzernleitung gestellt», sagt Michelle Rothen von der SBB.

Ausserdem werden in den Jahren dazwischen sogenannte «Stimmungsbarometer» erstellt, welche die Personalmotivation aufzeigen sollen. Rothen sagt, die Erfahrung zeigt, dass Mitarbeitende zufrieden und motiviert sind, wenn sie einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und ihre Vorgesetzten gute Führungsqualitäten aufweisen. Ausserdem trägt die Möglichkeit einen aktiven Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten zu können massgeblich zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz bei.

Workparty

Soziale Events für ein gutes Betriebsklima

Die SBB organisiert für ihre Mitarbeiter auch soziale Events. «Wir sind davon überzeugt, dass diese ein positives Betriebsklima unterstützen», meint Rothen. Neben Weihnachtsessen, unterschiedlichen Einweihungsfesten und kleineren Anlässen, veranstaltet die SBB auch immer wieder thematische Anlässe. Deren Ziel ist es, dass sich die Unternehmensführung mit Mitarbeitenden über aktuelle Themen austauscht.

Dass die Bundesbahn bei mehreren Arbeitgeberbewertungen sehr gut abgeschnitten hat, liegt aber nicht nur an den Teamevents. Ihren gut 33’000 Angestellten bietet die SBB diverse interne Weiterbildungsmöglichkeiten an, unterstützt Familien mit der Kinderbetreuung während der Arbeitszeit und setzt sich für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ein.

«Es ist erwiesen, dass Arbeitszufriedenheit und Performance in Zusammenhang stehen.»

Was bedeuten zufriedene Mitarbeiter für einen Betrieb?

Über den Zusammenhang von Arbeitszufriedenheit und Leistung haben sich schon so manche Wissenschaftler den Kopf zerbrochen. «Es ist erwiesen, dass Arbeitszufriedenheit und Performance in Zusammenhang stehen», sagt Dirk Hanebuth von Great Place to Work. Leistung hat aber nicht nur etwas mit der Freude am Arbeiten zu tun, sondern auch mit anderen Faktoren wie zum Beispiel Qualifikation.

Auch Mitarbeiter, die nicht besonders glücklich am Arbeitsplatz sind, können ihre Arbeit gut und pflichtbewusst machen. Will ein Betrieb aber, dass seine Angestellten mehr leisten und bereit sind die Extrameile zu gehen, muss er das ebenfalls tun. «Da sehe ich noch erheblichen Nachholbedarf bei vielen Firmen», sagt der Experte.