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In Technologie und den Menschen investieren

Technologie Schneller, flexibler und gleichzeitig «grüner» – die Ansprüche an die Leistungen von Logistikunternehmen steigen. Welche Auswirkungen dies für die Branche hat und wie man den Kundenbedürfnissen gerecht wird, erklärt uns Ines Furler, Managing Director der DHL Supply Chain Schweiz.

SMA

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Ines Furler, welches sind Ihres Erachtens die aktuellen Herausforderungen in Sachen Supply Chain Management?
 

Ines Furler
Ines Furler
Da gibt es mehrere Faktoren zu nennen. Primär muss es uns als Logistikdienstleister gelingen, am Puls der Zeit zu bleiben und die für den Kunden beste Lösung anzubieten. Das setzt vor allem Flexibilität voraus: Schwankende Kapazitäten, variierende Umschlagmengen sowie der steigende Zeitdruck führen dazu, dass die Kompatibilität der IT-Infrastruktur immer wichtiger wird und mit ihr der Wunsch nach Standardisierung und Industrialisierung der Logistikprozesse. Dies wiederum bedeutet, dass ein Unternehmen kontinuierlich technische Innovation vorantreiben muss. So nimmt zum Beispiel auch der Automatisierungsgrad stetig zu. Dies ist nötig, um den veränderten Kundenbedürfnissen zu entsprechen.
 

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Wie sehen diese Kundenbedürfnisse denn aus?
Die Kompetenz der Kunden in Sachen Lieferkette steigt und dementsprechend wachsen die Ansprüche was Reaktionszeit also Schnelligkeit und Servicequalität von Logistikdienstleistungen betrifft. Dies bringt erhöhten Kostendruck mit sich.
 

Wir sind der Ansicht, dass man die Förderung des Know-hows in der Belegschaft keinesfalls vergessen darf, trotz Technologisierung und Automatisierung.

 
Wie kann man diesen Anforderungen begegnen?
Wir setzen sehr auf die Nähe zu unseren Kunden. Wir besprechen die Prozesse mit ihnen in regelmässigem Turnus und erarbeiten so zusammen die optimale Lösung. Für ausgewählte Kunden bieten wir sogar ein Roll-Out als «First Mover»(Pionierunternehmen) an. Und nebst der Technologie investieren wir auch stark in unsere Mitarbeiter. Diese bilden wir durch Trainings und Schulungen zu Experten aus, die flexibel auf Kundenwünsche reagieren können und entsprechend neue Supply Chain Lösungen so effizient wie möglich anbieten können. Damit unsere Experten möglichst zielorientiert arbeiten können, führen wir diverse Standard-Tools ein und achten darauf, dass sich spezifisches Know-how auf verschiedene Mitarbeiter verteilt. Wir sind der Ansicht, dass man die Förderung des Know-hows in der Belegschaft keinesfalls vergessen darf, trotz Technologisierung und Automatisierung.
 
Haben Sie ein konkretes Beispiel, wie Sie das Know-how Ihrer Mitarbeiter fördern?
Wir führen verschiedene KVP (Kontinuierliche Verbesserungsprozesse) durch. Im Rahmen dieser Massnahmen werden beispielsweise Mitarbeiter der einen Abteilung in die Prozesse einer anderen eingeführt. Das stärkt das Verständnis für die Gesamtprozesse. Eine weitere konzernweite Initiative ist das Programm «CERTIFIED» und dient zur Förderung von Wissen, des Mitarbeiterengagements und des kulturellen Wandels. Sie ist zentrales Element von CONNECT, einer der Säulen unserer Strategie 2020.
 
Die Initiative ist nicht nur branchenweit einmalig, sondern sucht weltweit ihresgleichen: Niemals zuvor wurde eine so umfassende Initiative zur Steigerung des Mitarbeiterengagements durchgeführt. In der Schweiz haben wir dazu bis Ende 2016 das CSCS Training (Certified Supply Chain Specialist) durchgeführt und damit praktisch alle unsere Kollegen zu Experten ausgebildet. Durch die gezielte Vernetzung schaffen wir ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das uns in die Lage versetzt, eine einmalige Produkt- und Servicequalität zu bieten – alles zum Vorteil unserer Kunden.
 
Das Stichwort «Nachhaltigkeit» wird für Konsumenten immer wichtiger. Gleichzeitig wollen Kunden immer schneller und flexibler beliefert werden. Ein Widerspruch?
Auf den ersten Blick ja. Aber effiziente Logistik und Nachhaltigkeit schliessen sich nicht aus, im Gegenteil. Denn Nachhaltigkeit kann man auf ganz unterschiedliche Art und Weise fördern. Ein Beispiel hierfür ist das neue DHL-Logistikcenter, welches wir dieses Jahr neben unserem bereits bestehenden Standort in Derendingen eröffnen werden. Auf dem Dach dieses Gebäudes kommt eine moderne Photovoltaik-Anlage zum Einsatz. Dann setzen wir natürlich auch bei der Fahrzeugflotte an: Bereits heute sind mehr als 25.500 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben im Einsatz, darunter mehr als 2.500 Elektrofahrzeuge. Für die Schweiz prüfen wir auch lokale Partnerschaften, vielleicht auch mit Velokurieren, je nach Einsatzart. Im Vending Bereich arbeiten wir zur Zeit an einem M2M Projekt für die elektronische Kommunikation zum Befüllen von Automaten, damit das Befüllen nur noch nach Bedarf erfolgt und ebenfalls Leerfahrten vermieden werden können. Übrigens bieten wir unseren Kunden im Rahmen unseres Umweltschutzprogrammes GoGreen seit Jahren konzernweit umweltfreundliche Lösungen an, mit denen sie ihre Wertschöpfungskette grüner machen. Unser bisheriges Klimaschutzziel haben wir im 2016 vorzeitig erreicht und haben unsere CO2-Effizienz um 30 Prozent gegenüber 2007 verbessert. Und dann kommt natürlich auch Big Data zum Tragen.
 
Erfahren Sie hier mehr über die Unternehmensverantwortung der DHL Deutsche Post.
 
Wie führt Big Data denn zu mehr Nachhaltigkeit?
Unsere Teams werten Unmengen an Daten aus und können so die Prozesse innerhalb der Supply Chain optimieren. Das spiegelt sich konkret in weniger Leerfahrten, einer optimalen Kapazitätsauslastung der Fahrzeuge sowie allgemein höherer Effizienz wider.
 
Mehr zu Big Data in der Logistik bei DHL finden Sie hier.
 

 

Der Warentransport per Drohne kann sinnvoll sein und eignet sich insbesondere für die Belieferung von abgelegenen Standorten.

 
Man liest immer wieder von unbemannten Fahrzeugen und Transportdrohnen. Ist das die Zukunft der Logistik?
Ja, aber nicht ausschliesslich. Der Warentransport per Drohne kann sinnvoll sein und eignet sich insbesondere für die Belieferung von abgelegenen Standorten. Insbesondere für Spitäler ist diese Art des Transports sehr interessant. Wenn wir hingegen von Stückgutverteilung sprechen, geht es primär um Fahrunterstützungs-Systeme. Den Chauffeur eines Transporters wegzudenken erachte ich derzeit nicht als realistisch.
 

 

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Der EffiBOT ist ein voll automatisierter Roboter-Rollwagen.

 
Welche anderen Technologien könnten sich in der Supply Chain durchsetzen?
Unbestritten ist wohl die Tatsache, dass die Automatisierung weiter voranschreiten wird. DHL hat im Supply Chain-Lager in Unna Mitte letzten Jahres einen Pilotversuch mit Robotern erfolgreich abgeschlossen. Getestet wurde die automatisierte Kommissionierung mit Hilfe von EffiBOT. EffiBOT ist ein voll automatisierter Roboter-Rollwagen und speziell auf die sichere Zusammenarbeit mit den Menschen ausgerichtet. Während des Versuchs wurden die Kommissionierer durch zwei solcher Roboter unterstützt. Auf der Strasse dürften Hybrid-Fahrzeuge sowie E-Mobility weiter zunehmen. Und je nach Fall könnte Augmented Reality (visuelle Darstellung von Informationen) interessant sein. Grundsätzlich ist aber jede Technologie interessant und prüfenswert, von denen der Kunde
direkt profitiert.
 

 
Weitere Informationen zu diesen und weiteren Themen finden Sie auf der Website von DHL Supply Chain Schweiz: www.dhl.ch