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Auch für Facility Management ist Outsourcing beliebt.

Mehr als nur Liegenschaften verwalten

Immobilien Die Unternehmen konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen und lagern deshalb die Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften immer öfters aus. Dadurch ist eine boomende Branche entstanden.

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Die ältere Generation hat noch die alten Bilder und Erinnerungen im Kopf: Der Hauswart reinigt das Treppenhaus, mäht den Rasen, wischt den Vorplatz, schaufelt den Schnee weg. Als Kinder sind sie ihm mit Respekt begegnet und noch lieber aus dem Weg gegangen.

Diesen klassischen Hauswart gibt es heute fast nicht mehr; seine Arbeiten werden heute zunehmend von spezialisierten Dienstleistungsunternehmen ausgeführt. «Ein Hauswart, der das Treppenhaus reinigt, ist auch heute noch ein Hauswart und kein Facility Manager, aber er führt einen Service aus, welcher von einem Facility Manager geleitet werden kann», sagt Prof. Thomas Wehrmüller, der das IFM Institut für Facility Management in Wädenswil leitet.

So ist im Laufe der letzten Jahre eine bedeutende Branche mit einem riesigen Marktvolumen entstanden, die Hunderttausenden einen Arbeitsplatz bietet. Wehrmüller geht aufgrund einer deutschen Studie davon aus, dass auch in der Schweiz rund zehn Prozent im FM-Bereich arbeiten – das wären rund 450000 Beschäftigte.

Facility Management optimiert also den Betrieb, die Wirtschaftlichkeit, die Nutzung und schliesslich auch die Werterhaltung von Liegenschaften und deren Infrastruktur.

Abläufe ganzheitlich betrachtet

Liegenschaften und Betriebsabläufe werden ganzheitlich koordiniert, die Reinigung und damit die Rolle des klassischen Hauswarts ist damit nur ein Element in der gesamten Bewirtschaftung. Und natürlich stehen auch hier die Kosten im Vordergrund: Die koordinierte Abwicklung soll unter dem Strich die Betriebs- und Bewirtschaftungskosten senken und die fixen Kosten auf ein nötiges Minimum beschränken.

Dadurch wird ein weiteres Ziel erreicht, nämlich den Wert der Liegenschaften und Anlagen zu erhalten und auch die technische Verfügbarkeit zu sichern. Facility Management optimiert also den Betrieb, die Wirtschaftlichkeit, die Nutzung und schliesslich auch die Werterhaltung von Liegenschaften und deren Infrastruktur.

Viele Unternehmen gehen aber noch einen Schritt weiter und lagern alles aus, was nicht zum eigentlichen Kerngeschäft gehört. Das kann auch die interne Post sein, Kurierdienste, Verpflegung, Sicherheitskonzepte und Bewachungsaufgaben.

Gebaeudeinstandhaltung

Hunderte von Kleinst- und Familienfirmen

Startups haben das riesige Marktvolumen der Liegenschaftenbewirtschaftung längst entdeckt und so drängen sehr viele Kleinst- und Familienbetriebe auf den Markt, die meist nur einzelne Dienstleistungen wie Reinigungsarbeiten und Gartenpflege anbieten. Sie teilen sich den Markt mit ein paar wenigen Grossunternehmen. Das führe auch zu Problemen, wie der Verband Schweizer Reinigungs-Unternehmen, Allpura, sagt. «Schreibt ein Unternehmen einen Reinigungsauftrag aus, steht es nicht selten vor einer Vielzahl von Fragen. Oft mangelt es auf Kundenseite an fachlichen Kenntnissen über das Submissionswesen und über die Ausgestaltung von Verträgen für Facility Services.»

Die Kunden neigen dazu, den Auftrag dem günstigsten Anbieter zu vergeben, der aber dann die Erwartungen an die Qualität nicht erfüllen könne. «Schaut ein Unternehmen bei der Vergabe nur auf den Preis, kann es kurzfristig Kosten einsparen. Unter dem Strich bringt dies jedoch selten finanzielle Vorteile», sagt Jasmine Jost, Zentralpräsidentin Allpura. «Zudem besteht bei solchen Dumping-Preisen oftmals eine Diskrepanz zwischen der angebotenen und der tatsächlich erbrachten Leistung.Dies wirkt sich schliesslich auch negativ für die Auftraggeber aus – sowohl in Bezug auf die Werterhaltung ihrer Gebäude wie auch bezüglich der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden.»

Nun soll ein einheitliches Submissionsformular Abhilfe schaffen. Prof. Thomas Wehrmüller findet, dass es eben zu den Aufgaben des Facility Managers gehöre, dafür zu sorgen, dass Reinigungsdienstleistungen, die sie einkaufen, professionell erbracht werden, dass Preis und Leistung stimmen, dass der ganze Service möglichst nachhaltig ist, dass also die ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren möglichst gut berücksichtigt werden. «Ich finde es gut, wenn es für die unterschiedlichsten Bedürfnisse auch die unterschiedlichsten Angebote gibt, selbstverständlich immer im Rahmen der von der Gesellschaft definierten gesetzlichen Bedingungen.»

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Die Nachfrage nach Fachleuten steigt

Der Markt boomt, deshalb steigt auch die Nachfrage nach Fachleuten im Managementbereich, die diese komplexen Aufgabenstellungen auch ganzheitlich angehen können. Facility Managerinnen und Manager sind also gefragt und die Fachhochulen bieten auch die entsprechenden Ausbildungslehrgänge an. In diesen Lehrgängen geht es aber nicht nur um betriebliche Prozesse – die Studierenden erwerben auch Wissen und Kompetenzen aus den Wirtschafts-, Sozial-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaften.

Facility Manager und Facility Managerinnen sind «Multitasker» in einem sehr weiten Sinn. Sie müssen zwar nicht alle Leistungen selber erbringen können, aber sie müssen die Anforderungen an und um eine Liegenschaft oder eine Unternehmung organisieren und überwachen. Dafür braucht es sowohl technisches wie betriebswirtschaftliches und soziales Know-how. Dazu gehören: ganzheitliches Denken und Kostenorientierung, Spezialwissen, Managementfähigkeiten, Kommunikations- und Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Initiative und Kreativität.