Nachfolgeregelung

Die Möglichkeiten zur Nachfolgeregelung sind vielfältig. Es lohnt sich, sich mit den einzelnen Optionen auseinanderzusetzen.

KMU Nachfolgeregelungen im Vergleich

Leadership Momentan steht jedes fünfte KMU vor der Nachfolgeregelungsproblematik. Dabei fällt es schwer den Überblick über alle Möglichkeiten zu behalten. Es gilt, auch wichtige Aspekte in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen wie die Altersvorsorge, Steuern, genügend Zeit, Finanzierung und offene Kommunikation, damit die eigene Existenz und die der Firma nicht bedroht werden.

Caroline Schupp

Caroline Schupp

Die Firmenübertragung stellt einen komplexen und langfristigen Prozess dar, welcher oft auch zusätzliche Finanzierung erfordert. Allgemein gilt: Für eine erfolgreiche Übergabe müssen die Aufgaben, die Rechte und Pflichten der Nachfolgeperson und die Statuten, Organisationsreglemente des Unternehmens im Vorfeld klar festgelegt werden.

Folgend werden einige Möglichkeiten zur Gestaltung der Nachfolge erläutert und verglichen:

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1. Übertragung der Unternehmensleitung auf die nächste Generation in der Familie

Aus Sicht vieler Eigentümer ist es wünschenswert, dass die Firma familienintern weitergegeben wird. Jedoch sind die Kinder oder Verwandten oft zu jung oder zu unqualifiziert, um eine Führungsposition zu übernehmen oder haben gar kein Interesse daran. Üblicherweise ist der Nachfolger eine Einzelperson, manchmal werden aber auch mehrere Nachkommen in den Nachfolgeregelungsprozess miteinbezogen.

Bei dieser Art von Unternehmensübertragung bleiben sowohl die Firmenleitung als auch das Eigentum im Familienbesitz und werden normalerweise gänzlich an den Nachfolger übergeben. Es besteht aber auch die Option, die Finanzen dem früheren Geschäftsführer zu überlassen.

Es gibt zwei Arten von rein familieninterner Nachfolge: Man unterscheidet zwischen einer endgültigen Regelung per Erbvertrag oder Testament und einer vorweggenommenen, welche eine Veräusserung oder Schenkung an die neue Geschäftsleitung darstellt. Bei beiden Optionen ist zu beachten, dass die Altersvorsorge des Übergebers gewährleistet sein muss, allfällige neue Steuern anfallen oder Auszahlungen an Miterben entstehen könnten. Die üblichste Finanzierungsweise ist daher ein Darlehen.

Vorteile:

  • Man muss sich keine Gedanken zu anderen Nachfolgestrategien machen und mühsam einen externen Käufer oder Nachfolger suchen.
  • Die Loyalität der Angestellten gegenüber der Verwandtschaft des Übergebers ist meistens gewährleistet, vorausgesetzt der neue Geschäftsführer hatte sich aktiv am Übernahmeprozess engagiert.
  • Für den alten Eigentümer ist es erfreulich zu wissen, dass sein Lebenswerk an seine Nachfahren übergeht und die Kontinuität des Unternehmens gewährleistet ist.

Nachteile:

  • Es kann zu Interessenkonflikten zwischen den verschiedenen Erbberechtigten kommen und man muss von erbgesetzeswegen alle Kinder gleich behandeln. Um ersteres vorzubeugen, kann man frühzeitig einen Erbvertrag abschliessen.
  • Der zurückgetretene Chef versucht allfällig sich noch in die Belange des Unternehmens einzumischen.
  • Es ist schwer, die realen Kompetenzen der Erben zu beurteilen und sich rational zu entscheiden.
  • Der Nachfolger traut sich eventuell nicht neue, notwendige Abläufe und Strukturen in die Firma einzuführen aus Respekt gegenüber der früheren Firmenleitung.
  • Der Übergabeprozess dauert durchschnittlich 6.5 Jahre im Vergleich zu einem Verkauf, welcher durchschnittlich 2 Jahre dauert.
  • Es erfordert zusätzliche Finanzierung und es könnten zusätzliche Steuern anfallen.

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2. Übertragung der Unternehmensleitung an Externe, aber Besitz des Eigentums in der Familie

Falls ein Geschäftsführer gerne Eigentümer seines Unternehmens bleiben möchte, kann er auch lediglich die operative Firmenleitung an einen externen Manager weitergeben und die finanzielle Kontrolle familienintern bewahren. Dies ist meistens die beste Lösung, wenn sich innerhalb der Familie niemand zur Nachfolge eignet oder Interesse daran hat. Die Verpachtung ist eine mögliche Option, die Unternehmungsleitung zu übertragen.

Vorteil: Die Altersvorsorge des Eigentümers ist gesichert.

Nachteil: Der Pächter führt allfällig das Unternehmen nicht gewinnbringend.

MBO

3. Übertragung der Unternehmensleitung auf eigene Führungskräfte als neue Inhaber des Unternehmens: Management-Buy-Out (MBO)

Bei der Management-Buy-Out Methode wird das Unternehmen von internen Führungskräften übernommen, die sich durch die Erfahrung, Motivation und Qualifikation auszeichnen, die gebraucht wird, um den Betrieb erfolgreich weiterführen zu können. Die Firma wird hierzu an jene verkauft und das Eigentum und die Führung gehen somit an die Nachfolger über. Was bei einem MBO besonders zu klären ist, ist die Bestimmung der Vorsorge und der Finanzierung der Übernahme.

Vorteile:

  • Für Kaderleute mit langjährigem Engagement und Erfahrung ist die Möglichkeit Inhaber zu werden eine Belohnung und wird sich positiv auf deren Motivation auswirken.
  • Die vorherigen Manager besitzen wertvolles Wissen über die Firma und deren Strategien und Abläufe. Sie haben somit als Insider das Potential, die Kontinuität, Vertraulichkeit und Qualität des Unternehmens als Nachfolger aufrechtzuerhalten.
  • Die Kontakte und persönlichen Beziehungen in der Branche bleiben weitgehend erhalten.

Nachteile:

  • Es besteht die Gefahr, dass sich die neue Geschäftsleitung zur Übernahme der Firma verschulden muss, was für das Unternehmen existenzbedrohlich werden könnte. Um dies zu verhindern, sollte das Geschäft genügend liquide sein und eine ausreichende Ertragslage aufweisen.
  • Allfällig könnten zwischen den Mitgliedern der neuen Firmenführung Unstimmigkeiten entstehen, da sie unterschiedlicher Meinung sein könnten, was die Zukunft des Geschäfts anbelangt.
  • Der Übergeber muss sich bewusst sein, dass der Verkaufspreis seines Unternehmens möglicherwiese tiefer ist als von ihm angenommen.
  • Es kann zu einem Ungleichgewicht in den Verhandlungen zur Übernahme kommen, denn es bestehen hierarchische Beziehungen zwischen den Verhandlungspartnern.
  • Die Problematik der «Betriebsblindheit» könnte Nachfolger daran hindern innovativ zu sein, da keine neuen Einflüsse von aussen kommen.

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4. Übertragung des Unternehmens auf Führungskräfte von aussen als neue Inhaber des Unternehmens: Management-Buy-In (MBI)

Bei der Management-Buy-In Methode wird das Unternehmen von externen Führungskräften übernommen, welche meistens von Investoren unterstützt werden. Die Firma wird hierzu an jene verkauft und das Eigentum und die Führung gehen somit an die Nachfolger über. Was bei einem MBI besonders zu klären ist, ist die Bestimmung der Vorsorge und der Finanzierung der Übernahme sowie die der Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz der neuen Geschäftsleitung. Als letztere kommen Personen mit Brancheninsiderwissen und Erfahrungen in der Unternehmensführung in Frage, die vorteilhafterweise schon über eigene Geschäftsbeziehungen verfügen.

Vorteile:

  • Der Nachfolger hat die Chance, seine Managementfähigkeiten unter Beweis zu stellen und sich mit innovativen Ideen in das Unternehmen einzubringen und zu entfalten.
  • Mit qualifizierten und vertrauenswürdigen neuen Inhabern steht der Kontinuität der Firma nichts im Wege.

Nachteile:

  • Der neue Eigentümer besitzt bei der Übergabe meistens kein firmeninternes Wissen und muss sich mit der Firmenphilosophie vertraut machen.
  • Der Übergeber muss sich bewusst sein, dass der Verkaufspreis seines Unternehmens möglicherwiese tiefer ist als von ihm angenommen.
  • Die neuen Geschäftsführer müssen das Vertrauen und die Loyalität der Angestellten gewinnen und aufbauen.

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5. Verkauf des Unternehmens an Dritte

Wenn sich ein Geschäftsführer dazu entscheidet seine Firma zu verkaufen, orientiert er sich meistens branchenintern und wendet sich an einen seiner Konkurrenten. Ein Verkauf beinhaltet sämtliche Wirtschaftsgüter, Verbindlichkeiten und Forderungen. Es ist auf jeden Fall ratsam, das Unternehmen genau bewerten zu lassen, um einen realistischen Kaufpreis festlegen zu können. Um diesen zu steigern, lohnt es sich, im Vorherein die Rentabilität der Firma zu optimieren. Es gibt zahlreiche Berater, die Firmen beim Prozess der Nachfolgeregelung unterstützen.

Es empfiehlt sich, die Übertragungsphase gemeinsam zu gestalten. Sprich, während einem halben bis zu zwei Jahren wird der Nachfolger in das Geschäft eingeführt und kann auf die Beratung der alten Unternehmensleitung zurückgreifen. Eine andere Option ist die schrittweise Übergabe durch Bildung einer Kapital- oder Personengesellschaft, was bewirkt, dass der spätere Inhaber zuerst als Mitgesellschafter in die Firma eintritt und Zeit hat, sich einzuarbeiten.

Vorteile:

  • Der Nachfolger kann ein bereits aufgebautes Packet aus Wissen, Infrastruktur, Kunden und Mitarbeitern übernehmen. Besonders lukrativ kann dies sein, wenn es sich bei dem zu kaufenden Geschäft um eines der Konkurrenten handelt.
  • Der neue Inhaber kann über sein erworbenes Eigentum frei verfügen und das Unternehmen allfällig als Sicherheit zur Kreditaufnahme einsetzen.
  • Für den Verkäufer kann es besonders gewinnbringend sein, wenn der Käufer bereit ist viel Geld in die Übernahme zu investieren. Eine weitere Möglichkeit, wenn es mehrere Interessenten gibt, ist es die Firma zu versteigern.

Nachteile:

  • Möglicherweise bleiben die erhofften Synergieeffekte und Gewinne aus.
  • Falls die Mitarbeiter der übernommenen Firma nicht befriedigend in das neue Unternehmen und in dessen Kultur eingeführt werden, kann das zu Kündigungen führen, wobei der Wert des aufgekauften Geschäfts gemindert wird.
  • Wenn keine korrekte Bewertung der Firma vorliegt, kann dies zu Streitigkeiten unter den Verkaufspartnern führen.

Fusion

6. Fusion des Unternehmens mit einem anderen

Wenn eine Firma mit einem anderen fusioniert, geschieht dies normalerweise mit einem Konkurrenten aus derselben Branche. Der Unterschied zu einem Verkauf besteht darin, dass keine Veräusserung stattfindet, sondern jegliche Aktiven zusammengelegt werden durch den Austausch von Beteiligungen. Um Unstimmigkeiten zu vermeiden, ist es wichtig das Geschäft genau bewerten zu lassen, da Kapitalbeteiligungen am neuen Unternehmen proportional zu den vorherigen Werten der einzelnen Firmen berechnet werden. Eine Fusion ist strengen, rechtlichen Normen unterlegen.

Vorteil:

  • Üblicherweise führt eine Fusion durch Synergieeffekte zu einer Kostensenkung und Umsatzerhöhung. Resultierend wird der Wert der Aktien gesteigert.

Nachteile:

  • Der Beteiligungsanteil der Inhaber wird verringert und somit ihr Einfluss ebenfalls.
  • Möglicherweise bleiben die erhofften Synergieeffekte und Gewinne aus.
  • Die Zusammenlegung von zwei unterschiedlichen Firmenkulturen hat Konfliktpotential.

Boersengang

7. Börsengang der Firma – Initial Public Offering (IPO)

Ein Unternehmen kann auch an die Börse gehen (Initial Public Offering), sofern gute Wachstumsperspektiven erkennbar sind und feststeht, ob ein gewisses Interesse der Öffentlichkeit und der Finanzkreise vorhanden ist. Nur dann lohnt sich eine Publikumseröffnung. Auf jeden Fall muss in Betracht gezogen werden, dass ein IPO grundlegende Veränderung in der Unternehmensstruktur zur Folge haben wird.

Vorteile:

  • Durch den Börsengang hat das Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt, was eine höhere Liquidität und somit eine Verbesserung der Verschuldungs- und Investitionskapazität bewirkt.
  • Die Diversifikation der Aktionäre steigt.
  • Der Bekanntheitsgrad und die Medienpräsenz der Firma nehmen erheblich zu, wodurch das Aufnehmen von Fremdkapital erleichtert wird.
  • Mitarbeiter haben die Möglichkeit, durch eine finanzielle Beteiligung entlohnt zu werden.
  • Die Entscheidungsgewalt bleibt immer noch beim Inhaber, sofern er in der Generalversammlung die Mehrheit der Stimmen hat und im Verwaltungsrat ebenfalls gut vertreten ist.
  • Eine familieninterne Nachfolge ist leicht zu regeln, da die Aktien einfach an die Nachfolger verkauft werden können.

Nachteile:

  • Durch die grundlegende Veränderung in der Firmenstruktur erfordert ein IPO eine komplizierte und sehr genaue Vorbereitung und Planung.
  • Das Management muss sich mit Medienarbeit auseinander setzen, was beispielsweise öffentliche Quartalsberichte und Pressekonferenzen beinhaltet.
  • Die Publikumsveröffentlichung birgt das Auseinandersetzen und Einhalten von neuen Normen und Verpflichtungen, was beides Geld kostet.
  • Es dauert mehrere Jahre um ein IPO vorzubereiten und es empfiehlt sich Geld in eine Beratung zu investieren.
  • Da die Börse ein spekulatives Umfeld darstellt, ist das Unternehmen Risiken ausgesetzt, wie beispielsweise einer Übernahme durch Konkurrenten.
  • Das Unternehmen könnte möglicherweise aus den Händen der Familien gehen oder für diese nicht wiedererkennbar sein aufgrund der neuen Firmenkultur.

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8. Beteiligung oder Übernahme durch Finanzinvestoren oder Finanzierungsfonds (Private Equity Investoren)

Diese Art der Finanzierung wird meistens als Übergangslösung gewählt, wenn man beabsichtigt später ein MBO, MBI oder ein IPO durchzuführen. Das Vorgehen sieht folgendermassen aus: Ein oder mehrere private oder institutionelle Finanzinvestoren beteiligen sich dem Geschäft oder übernehmen die Firma finanziell.

Vorteile:

  • Das Unternehmen hat schnelle Kapitalerträge.
  • Investoren können über wertvolle Beziehungen und Wissen verfügen.
  • Langgeplante Investitionen können finanziert werden, da die Liquidität der Firma erheblich zunimmt.
  • Der Investor kann durch die Aufwertung ebenfalls Gewinne erzielen.

Nachteile:

  • Investoren im Finanzbereich sind meist an raschen Gewinnen interessiert und bevorzugen daher kurzfristige Massnahmen.
  • Der Übergeber muss sich eingehend mit den Absichten und Zielen der Investoren auseinandersetzen, damit es nicht zu einem ungewollten Verkauf des Unternehmens durch den Investor kommt.

business

9. Liquidation der Firma

Falls sich keine Nachfolgelösung finden lässt, kann man auch eine Liquidation des Unternehmens in Erwägung ziehen. Hierbei wird die Geschäftstätigkeit eingestellt und die Firma gelöscht. Mögliche Auslöser dafür können eine ungünstige Wirtschaftslage oder ein schwaches Ertragspotential des Geschäftes sein.

Weitere Informationen zur Unternehmensliquidation finden Sie hier.