Mehrschienen750x300

Mehr Schienenverkehr – davon profitieren ganze Wirtschaftsräume.

Warum die NEAT der Wirtschaft Schwung gibt

Finanzen Der Schweizer Zugverkehr gilt als der beste und zuverlässigste der Welt. Und dennoch kann er noch besser werden: Die NEAT soll das Reisen durch die Alpen schneller machen. Das Grossprojekt hat damit nicht nur Auswirkungen auf den Schienenverkehr, sondern auch auf die Wirtschaft. Ein Beispiel.

Miriam Dibsdale

Es ist ein wahres Mammutprojekt: Mit der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) entsteht eine schnelle und leistungsfähige Bahnverbindung, von der die gesamte Schweiz profitieren soll. Aber auch international hat das Projekt Gewicht, denn es soll nicht nur das Reisen in und durch die Schweiz vereinfachen, sondern auch einen effizienteren Güterverkehr auf der Schiene ermöglichen.

Herzstück dieses Vorhabens sind zwei Basistunnels, einer am Gotthard und einer am Ceneri. Für die Verwirklichung beider Tunnels ist eine gewaltige Arbeitsleistung nötig. Zur Veranschaulichung: Allein für die Anbringung der Bahntechnik im Gotthard Basistunnel sind vier Millionen Arbeitsstunden vorgesehen. 3200 Kilometer Kupferkabel, 131 000 Kubikmeter Beton sowie 2600 Kilometer Lichtwellenleiter werden verbaut. Und das ist nur ein kleiner Auszug.

Die neue Gotthardbahn ist als Hochgeschwindigkeitsstrecke konzipiert. Reisezüge können auf einer Strecke von etwa 60 Kilometern mit einer Spitzengeschwindigkeiten bis zu 250 km/h verkehren.

Mehr Material auf die Schiene

Zur Stärkung des öffentlichen Verkehrs und für die Verlagerung von möglichst viel Güterschwerverkehr von der Strasse auf die Schiene muss die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut werden. Die Wettbewerbsposition der Bahn im Güterverkehr werde damit deutlich gestärkt, heisst es auf der offiziellen Website des Alptransit. Dies begünstige die Verlagerung des Verkehrs von der Strasse auf die Schiene, was wiederum die Umsetzung des Alpenschutzartikels erlaubt.

Underground tunnel for the subway

Und: Die NEAT Achse am Gotthard ist das grösste Bauprojekt der Schweiz. Der Gotthard-Basistunnel gehe voraussichtlich Ende 2016 in Betrieb, der Ceneri-Basistunnel Ende 2019.

Neue regionale Kompetenzcluster

Das sind die Fakten. Die Auswirkungen der NEAT reichen indes deutlich weiter als der Alpenraum. Zum Beispiel in den Kanton Schwyz. Dort zonte die Kantonsregierung rund 25 Hektaren Land zwischen Küssnacht am Rigi und Brunnen ein – um Platz zu schaffen für die Ansiedlung neuer Unternehmen. Der Gedanke dahinter: Der sich abzeichnende, effizientere Schienenverkehr durch die Schweiz ermöglicht es, dass Firmen grossräumiger denken können als bisher.

Die verkürzte Reisezeit macht die Eröffnung neuer Standorte zu einer attraktiven Option – nicht nur für Schweizer Unternehmen, sondern auch für solche aus dem benachbarten Ausland. Die Rechnung scheint aufzugehen: «Wir stellen bereits fest, dass sich neue Unternehmen bei uns ansiedeln, das Interesse an dem von uns geschaffenen Raum ist absolut da», erklärt Urs Durrer, Vorsteher des Amtes für Wirtschaft Kanton Schwyz.

«Wir stellen bereits fest, dass sich neue Unternehmen bei uns ansiedeln, das Interesse an dem von uns geschaffenen Raum ist absolut da»

Dem Kanton Schwyz geht es indes nicht einfach darum, weitere Firmen anzulocken, man will vor allem Unternehmen einer ganz bestimmten Branchen anziehen: der Gesundheitstechnologie. «Das ist ein hochspannendes Feld, das nicht nur viel Innovation und Wertschöpfung schafft; die darin tätigen Firmen sind auch auf das erstklassige Know-how angewiesen, welches wir in der Schweiz zu bieten haben», führt Durrer aus.

Im April vergangenen Jahres lancierte das Technologiezentrum Schwyz den «Health Tech Cluster Switzerland». Dabei handelt es sich um ein Netzwerk von Herstellern, Zulieferern, Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie Dienstleistern und Investoren im Bereich der Gesundheitstechnologien. Der Cluster bringt Firmen aus den unterschiedlichen Fachgebieten gewinnbringend zusammen, etwa aus der Medizintechnik, dem Gesundheitswesen oder der Pharmatechnik. «So schaffen wir Synergien für diese Unternehmen und erhöhen damit die Wertschöpfung», sagt Durrer. Durch das Eingehen strategischer Partnerschaften, primär mit internationalen Cluster, soll den angehörigen Firmen zudem der Markteintritt im Ausland erleichtert werden.