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Bildquelle: FABIANUNTEREGGER.CH

«Politisch unkorrekte Witze mag ich besonders gern»

Inspiration Auf seinem Weg liegen Diplome wie das Doktorat in Medizin, der Master in Lebensmittelwissenschaften ETH sowie der didaktische Ausweis ETH. Daneben bildet er sich permanent weiter und versucht neues Wissen zu erschaffen. Dies alles parallel zur Comedy. Wie Fabian Untereggers ungewöhnlicher Karriereweg verlaufen ist, hat er «Fokus Meine Karriere» in einem Interview erzählt.

Miriam Dibsdale

Fabian Unteregger, Sie sind als Komiker und Imitator bekannter Persönlichkeiten schweizweit bekannt, zeitgleich aber auch Arzt und Lebensmittelingenieur. Wie stellen Sie sich selbst vor?
Der Begri des «Comedyunternehmers» fasst meine Tätigkeiten gut zusammen. Er analysiert den Markt, kreiert das Produkt, lanciert es und übernimmt die volle Verantwortung dafür.

Können Sie immer aus dem Stegreif einen Witz erzählen?
Überhaupt nicht. Ich erzähle eigentlich nie Witze, sondern Pointen. Ich führe mein Publikum gedanklich an einen Punkt, um dann einen anderen Abzweiger zu nehmen. Das ist die Pointe. Aber nichts gegen Witze. Ich liebe es zuzuhören, wenn jemand einen guten Witz erzählt. Politisch unkorrekte Witze mag ich besonders gern.

Mit welchem Humor können Sie sich am besten identifizieren?
Der englische Humor hat eine saumässig charmante Note. Er ist schwarz, direkt und gnadenlos. Und sehr lustig, ohne dabei verletzend zu sein.

Die Schweiz hat ihren eigenen Humor. Worüber lachen Herr und Frau Schweizer besonders gerne?
Sie lachen über sehr viel! Wahrscheinlich aber besonders gerne über Dinge, in welchen sie sich selbst wiedererkennen. Dazu gehören Pleiten, Pech und Pannen.

Über welche Komiker lachen Sie selbst am liebsten?
Ich finde das deutsch-österreichische Satiriker-Duo Stermann und Grissemann extrem lustig.

Sie sind Zürcher, stehen aber schweizweit auf vielen verschiedenen Bühnen. Haben Sie ein Lieblingspublikum?
Irgendwann kriegt man glaub alle in den Griff. Als besonders dankbares Publikum empfinde ich die Berner. Ob Oberland oder Stadt – Bern ist «over the top».

Präsentieren Sie ihr Programm, bevor es auf die Bühne kommt, einem kleineren Publikum, um zu sehen, wie es ankommt?
Nein, meine Familie und meine Freunde könnten mein Programm nicht neutral bewerten, besonders nicht, wenn sie den Auftrag hätten, es zu kritisieren. Angehörige sind bei einer Show voreingenommen. Sie können nicht neutral geniessen. Es ist viel Anspannung da, weil sie mitleiden, wenn etwas in die Hose ginge.

Es gibt bekanntlich keinen Bachelor oder Master zum Komiker. Was empfehlen Sie jemandem mit diesem Berufswunsch?
Wichtig ist es, irgendwie und irgendwo anzufangen. Sei dies mit einem Auftritt beim Familienfest oder mit einem Account auf Social Media. Wer sein Programm einfach in die Welt hinausschickt, wird sehen, ob es funktioniert. Der Trick ist, sich nie entmutigen zu lassen. Das Dümmste ist, nichts zu machen. Ein Problem bei den sozialen Medien kann jedoch sein, dass man eine gratis-Mentalität heran erzieht. Tickets verkaufen wird so möglicherweise schwierig.

Sie sind ohne die Sozialen Medien berühmt geworden. Besonders die jüngeren Generationen orientieren sich heute an Youtubern, Instagrammern etc. Ist es heute einfacher, ein grosses Publikum zu erreichen?
Ich glaube, die Frage ist immer, was das Ziel ist und wie nachhaltig es sein soll. Der Medienkonsum hat sich verändert. Ebenso kann sich der Geschmack der Zuschauer verändern. Mit 20 Jahren steht man nicht auf dasselbe Material wie mit 30 Jahren. Klassische Medien erreichen Zuschauer 30 Plus. Diese Zielgruppe unterliegt dem Wandel nicht mehr in gleichem Masse. Ich denke hier lässt es sich besser planen.

Sie haben die Matura in Zürich gemacht – Zeit, die Weichen für das weitere Leben zu stellen. Was war damals ihr Plan?
Ich dachte, ich gehe an die Uni und studiere etwas, das mich interessiert. Dann wird es bestimmt genauso toll im Beruf. Das Studium der Lebensmittelwissenschaften an der ETH war «saumässig» spannend, weil es sehr breit ist. Mathe, Bio, Chemie, Physiologie und in meinem Fall enorm viel BWL; von Buchhaltung, Financial Management, strategischer Planung bis zu Marketing. Die Zusammenhänge haben mich interessiert, doch ich wusste nicht, wie der Beruf anschliessend aussah. In der Produktion oder im Labor zu arbeiten, wäre nichts für mich gewesen, deshalb bin ich nach dem Studium als Product Manager eingestiegen. Diese Erfahrungen sind für mich heute sehr wertvoll.

Der Trick ist, sich nie entmutigen zu lassen. Das Dümmste ist, nichts zu machen.

Danach haben sie Medizin studiert und lassen nun Ihr Fachwissen auch in Ihre Shows einfliessen. Wieso funktionieren Medizin und Humor so gut zusammen?
Wichtig ist immer, dass die Leute gut unterhalten werden. Medizin ist ein ema, mit welchem jeder früher oder später einmal in Berührung kommt. Ob man beim Skifahren das Knie verdreht oder beim Inlineskaten umfällt, Verletzungen und Krankheiten haben die meisten von uns schon erlebt. Sie gehören dazu und wecken zwangsläufig unser Interesse. Im Spital schreibt die Realität zusätzlich Geschichten mit hohem Unterhaltungswert. Die Realität ist oft lustiger als die Fiktion. Live ist es mir wichtig, dass das Pub- likum nicht nur unterhalten wird, sondern gleichzeitig auch «Informationshäppli» erhält, ohne dabei zum Erklär-Bär zu werden.

Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal nur als Arzt tätig zu sein?
Ja. Sowohl Medizin als auch Komik haben beide einen grossen Reiz. In der Comedy kann ich meinen unternehmerischen Aktionsradius selber de nieren. Die Medizin dagegen ist überreguliert. Regulation kann jedoch auch von Vorteil sein. Mir gefällt die Komik jedoch zu gut, um sie auf Null zu reduzieren. Ein «9-to-5-Job» wäre nichts für mich. Ich investiere gerne viel Zeit in meine Leidenschaft, und die Passion steht für mich immer im Vordergrund; ob auf der Bühne oder beim Publizieren in der Medizin.

Was war Ihr bisher schwierigster Moment im Spital?
Es ist nie leicht, mit schwerwiegenden Fällen konfrontiert zu werden. Am allerschwierigsten war es für mich, als mein an ALS leidender Grosscousin im Nebenhaus des Spitals, in welchem ich gearbeitet habe, im Sterben lag. Ich bin am Freitagabend nach Hause gegangen und als ich am Montag seinen Bericht öffnete, war dieser bereits geschlossen. Diesen Moment werde ich kaum mehr vergessen.

Der Mechanismus des Lachens kann den Muskeltonus für bis zu 45 Minuten senken. Diese einzigartige Fähigkeit hat keine andere Aktivität.

Und Ihr schönster Moment?
Besonders ergreifend finde ich es, Geburten mitzuerleben. Die pädiatrischen Abklärungen, wenn das Kind erst wenige Sekunden auf der Welt ist, haben mich umgehauen. Ich kannte jeweils weder die Mutter noch den Vater und doch ist es verbindend und wahnsinnig ergreifend. Ein wirkliches Wunder. Es macht mich gleich wieder demütig, wenn ich nur daran denke.

Die Stiftung Theodora ist bekannt dafür, kranke Kinder im Krankenhaus mit «Traumdoktoren» zum Lachen zu bringen. Macht Lachen gesund?
Das ist schwierig zu beurteilen. Lachen ist gesund, ja, und die Glückshormone haben einen positiven Effekt. Der Mechanismus des Lachens kann den Muskeltonus für bis zu 45 Minuten senken. Diese einzigartige Fähigkeit hat keine andere Aktivität.

Aktuell arbeiten Sie nicht als Assistenzarzt, sondern forschen über die funktionelle Anatomie des Kehlkopfs. Haben Sie bereits neue Erkenntnisse?
Ja, wir haben herausgefunden, dass Kehlkopfmuskeln beim Singen über zwei Oktaven nicht parallel, sondern nacheinander aktiv werden. Die jeweiligen Muskeln konnten wir identi zieren. Aus unseren Daten haben wir schliessen können, dass die Stimmbänder zuerst ver- längert und dann gespannt werden; der Übergang vom einen zu anderen Mechanismus ist jedoch nicht hörbar. Wir konnten nachweisen, dass der Kehlkopf im Alter starrer wird und die Frequenz-Bandbreite, die man sin- gen kann, stark abnimmt. Um als Sängerin auch im Alter noch von hoch bis tief singen zu können, braucht es häufiges Üben. Wir gehen davon aus, dass man so Kompensationsmechanismen trainieren kann. Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, haben wir völlig neue Wege beschritten. Unsere Ergebnisse basieren nicht, wie das bis anhing häufig gemacht wurde, auf Sonden, die von aussen in die Kehlkopfmuskeln gesteckt werden und damit deren Aktivität zeigen, sondern auf dreidimensio- nalen Bildern, die wir aufgrund von Computer-Tomographien erstellt haben. Ich freue mich sehr im Juni in den USA neue Ergebnisse präsentieren zu dürfen. Denn Vernetzung ist in der Medizin zentral – zusammen ist man stärker. Wie eigentlich überall.

Fabian Unteregger ist mit seinem Soloprogramm «Doktorspiele» auf Schweizer Tournee: www.fabianunteregger.ch

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