Recht

Entscheidungskriterien sind Qualität, Grösse der Kanzlei, Vertrauen und Sympathie.

Rechtsfälle, Versicherungen und Anwälte

Leadership Das Angebot an Versicherungen ist vielfältig, um nicht zu sagen unübersichtlich, und ein Unternehmer stellt sich immer wieder die Frage, welche Versicherungen es wirklich braucht. Sollte es tatsächlich zu einem Rechtsfall kommen, stellt sich die Frage, welcher Rechtsvertreter der richtige ist. Nachfolgend einige Gedanken zu diesen Themen aus der Sicht von Rechtsanwälten, die regelmässig für KMU und Versicherungsgesellschaften tätig sind.

Miriam Dibsdale

Bei der grossen und steigenden Zahl von Versicherungslösungen ist es schwer, den Überblick zu wahren. Grundsätzlich kann unterschieden werden zwischen Versicherungen, die Geschäftsrisiken abdecken und solchen, die das Management vor persönlicher Haftung schützen. Die Risiken, welche das Unternehmen betreffen, lassen sich grob in Betriebs, Sach und gesundheitliche Risiken der Mitarbeiter aufteilen.

Bei Sachversicherungen wird das Inventar des Unternehmens (Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen) gegen Zerstörung oder Beschädigung versichert. Kollektiv Taggeldversicherungen entlasten dagegen den Arbeitgeber von der Lohnfortzahlungspflicht bei Unfällen und Krankheiten. Haftpflichtversicherungen gleichen insbesondere Schäden aus, welche Dritten beispielsweise aus internen Abläufen oder durch Herstellungsfehler der verkauften Produkte entstehen. Sie decken auch die Abwehr ungerechtfertigter Ansprüche. Von den Haftpflichtversicherungen zu unterscheiden sind die Betriebsrechtsschutzversicherungen. Diese decken je nach Versicherungsumfang verschiedene Arten von Rechtskosten ab, i.d.R. aber unter Ausschluss von Haftpflichtansprüchen.

Close-up Of Male Lawyer With Arm Crossed

Rechtsstreitigkeiten belasten den operativen Betrieb. Sie sind zeitaufwendig und unproduktiv. Wenn zudem noch mit hohen Kosten zu rechnen ist, können die Rechtsstreitigkeiten die Verantwortlichen auch emotional stark belasten. Erfahrungsgemäss nimmt es ein Unternehmen bzw. Betroffener im Streitfall gelassener, wenn die finanziellen Folgen ganz oder teilweise abgedeckt sind, was wiederum die Suche nach effizienten Lösungen vereinfacht.

Aus Sicht des Rechtsanwalts sind insbesondere jene Ereignisse zu versichern, die die Existenz der Unternehmung gefährden. Hinzu kommen Versicherungen, die das persönliche Risiko der Verantwortlichen absichern, beispielsweise Organhaftpflichtversicherungen bei Kapitalgesellschaften. Dies deshalb, weil ein Prozess, der die Verantwortlichen persönlich betrifft, diese normalerweise auch deutlich mehr belastet als Forderungen “nur” gegen die Unternehmung. Dies kann sich wiederum sehr negativ auf das operative Geschäft auswirken. Solche Organhaftpflichtversicherungen sind deutlich preiswerter geworden, seit in den letzten Jahren auch ausländische Anbieter auf den Schweizer Markt drängen. Allerdings sind auch die Leistungen recht unterschiedlich.

Bei einem typischen Startup stehen die Risiken der Firmengründer (Folgen von Unfällen, Krankheit, Invalidität und Tod) als Selbständigerwerbende oder Arbeitnehmer gegenüber dem Risiken der Gesellschaft im Vordergrund, gehen aber oft vergessen.

Business people shaking hands

Welcher Versicherer?

Für den Abschluss einer Versicherung spricht neben der finanziellen Entlastung bei Schadenfällen auch das Knowhow der Versicherungsgesellschaft im Zusammenhang mit der Abwehr bzw. Abwicklung eines Schadenfalls. Dies entlastet die Geschäftsleitung und damit das  operative Geschäft zusätzlich. Gewisse Versicherungsgesellschaften haben selbst für Spezialfälle eigene Schadenjuristen oder gewähren mit dem Abschluss einer Versicherung Zugang zu Zusatzdienstleistungen, wie etwa einem telefonischen Rechtssupport auch ausserhalb von Schadensfällen oder einem Online Zugang zu Merkblättern und Vertragsmustern. Bei der Wahl eines konkreten Anbieters sollte deshalb nicht allein die Höhe der Prämien ausschlaggebend sein. Mindestens ebenso wichtig ist es, einen Blick auf die  nicht nur finanziellen  Leistungen zu werfen.

Welche Rechtsanwälte?

Kommt es zu einem Rechtsfall, wird es vielfach nötig sein, einen Anwalt beizuziehen. Doch welche Kriterien sind für die Wahl des Rechtsvertreters massgebend? Oft im Vordergrund aber nur beschränkt entscheidend ist der verrechnete Stundenansatz. Dies nur schon deshalb, weil ein spezialisierter Anwalt i.d.R. effizienter arbeitet und damit für die Lösung des Problems weniger Zeit benötigt. Fachliche Qualifikation und damit zusammenhängend die Qualität der Dienstleistung gehört zu den wichtigsten Faktoren.

Allerdings sind nur die wenigsten KMU in der Lage, die Qualität objektiv zu beurteilen. Voraussetzung dafür wäre, dass man aufgrund einer Mehrzahl von Rechtsfällen vergleichen könnte, welcher Anwalt bzw. welche Kanzlei die beste Leistung erbracht hat. Das können normalerweise – wenn überhaupt – nur Grossunternehmen. Für KMU können die Versicherungsgesellschaften diese Funktion übernehmen, denn sie betreuen permanent eine grosse Zahl von Rechtsfällen, welche sie auch an externe Anwälte vergeben und können somit deren Qualität relativ gut beurteilen.

Anwalt

Neben der fachlichen Qualifikation sollte auch der Grösse der Kanzlei Beachtung geschenkt werden. Kleine Kanzleien bieten oft tiefere Kostenstrukturen und einen Ansprechpartner, der sich selbst mit dem Fall befasst. Dabei ist aber der Grad der Spezialisierung eher klein und es kann relativ schnell zu Kapazitätsengpässen kommen. Am anderen Ende der Skala stehen die Grosskanzleien mit einem grossen und teilweise ausgeprägt spezialisierten Mitarbeiterstab. Sie sind in der Lage, rasch grosse Arbeitskapazität bereit zu stellen. Kleinere Mandate werden teilweise an weniger erfahrene Mitarbeiter delegiert.

Für KMU stellen mittelgrosse Anwaltskanzleien in vielen Fällen eine gute Alternative dar. Diese stossen nicht so schnell an ihre Kapazitätsgrenzen und bieten trotz Überschaubarkeit ein gewisses Mass an Spezialisierung. Kostenmässig bewegen sie sich in der Regel im Mittelfeld zwischen kleinen und Grosskanzleien. Neben Spezialisierung hilft natürlich auch Erfahrung, die Effizienz der Dienstleistung zu erhöhen.

Neben diesen Kriterien sind aber Vertrauen und Sympathie nach wie vor zentrale Elemente bei der Auswahl des Anwalts. Sind sie vorhanden, ist auch eher eine längerfristige Beziehung gewährleistet. Eine solche ist deshalb anzustreben, weil ein Anwalt, der das Unternehmen kennt, Umfang und Inhalt seiner Dienstleistung besser auf die Bedürfnisse des Auftraggebers abstimmen kann.