Renovation

Renovieren ist aufwändig, lohnt sich aber.

Renovation: Erst optimieren, dann renovieren

Immobilien In der Schweiz stehen zur Zeit ungefähr zwei Millionen Gebäude. Davon sind 60 Prozent Wohnbauten und 40 Prozent fallen auf Dienstleistungs- und öffentliche Bauten. Diese schlucken die Hälfte des Schweizerischen Energieverbrauchs. Laut der Schweizer Energiestiftung passiert die Wärmeproduktion für die Gebäude immer noch durch Öl- und Gaskessel, was dazu führt, dass 40 Prozent der CO2-Emissionen im Gebäudesektor anfallen.

SMA

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Bis ins Jahr 2050 soll der Energieverbrauch bei Gebäuden halbiert werden. Das Sparpotenzial für Heizung und Warmwasser wird vom Bundesamt für Energie auf 70 Prozent bei Neubauten von Dienstleistungs- und Landwirtschaftsgebäuden geschätzt. Problematischer ist, dass davon ausgegangen wird, dass die Renovierung des Gebäudebestands noch 60 bis 100 Jahre dauern wird. Damit die Gebäude schneller und effizienter nachhaltig werden, fordert Barbara Beckmann von der EK Energiekonzepte AG, dass die Renovationsrate besser und schneller werden muss: «Der Bund und die Kantone könnten hierfür die Sanierungsanreize erhöhen.»

Neubau statt Renovation?

«Bei Neubauten greifen die bisher bereits hohen energetischen Anforderungen der Kantone sehr gut», betont Adrian Grossenbacher vom Bundesamt für Energie. Marianna Stähler vom Verein eco-bau ergänzt: «Daher ist es umso wichtiger, dass wir unsere Bestandesbauten auf Nachhaltigkeit trimmen. Dazu gehören ganzheitlichen Dämm- und Haustechnikkonzepte bei Umbauten.» Ausserdem müsse zuerst immer auch die Frage geklärt werden, ob nicht ein Ersatzneubau besser ist, als eine Renovation.

Working on blueprint

Bürogebäude unterschieden sich bezüglich Energieeffizienz von Wohngebäuden vor allem darin, dass sie im Sommer zu warm werden. Dies aufgrund der häufig hohen internen Wärmequellen wie z.B. IKT-Infrastruktur (Informations- und Kommunikationstechnik), Beleuchtung sowie dichte Personenbelegung – jede Person gibt selbst Wärme ab, welche den Raum aufheizt. «Dazu kommen oft mittlere bis hohe Anteile an Fensterfronten, welche zusätzliche Wärme in die Gebäude hereinlassen», erklärt Adrian Grossenbacher.

Ein weiterer Unterschied ist das Warmwasser: «Im Wohnungsbau spielt das Warmwasser zusätzlich eine Rolle, in Bürobauten ist die Kühlung und Lüftungsenergie und der Nutzerstrom, zum Beispiel von Computern, wichtiger als in Wohnbauten», weiss Barbara Beckmann. Die Anforderungen an ein Bürogebäude sind also vielfältiger als an ein Wohnhaus. «Um im Betrieb eine hohe Energieeffizienz zu erreichen, braucht es eine entsprechend sorgfältige Planung, Bauausführung, Inbetriebnahme aller Anlagen und den Betrieb mit Energiemonitoring», erläutert Adrian Grossenbacher.

Dass es mit einer guten Infrastruktur noch nicht getan ist, davon ist auch Marianne Stähler überzeugt. «Der Betrieb findet über die Liegenschaftsverwaltung oder den Hauswart statt. Der ist aber oft nicht Teil des Themas. Sie sind nicht Experten, aber Verantwortlich für den Unterhalt. Die Betreiber des Gebäudes werden zu wenig gehört.» Sie wünscht sich ausserdem, dass die Gebäudetechnik einfacher zu bedienen wird.

City Buildings On Green Environmental Conservation and Nature Icon Pattern

Rat beim Fachmann einholen

«Wenn es um bestehende Gebäude geht, sollten die Eigentümer eine Energieanalyse durch den Profi machen lassen», empfiehlt Adrian Grossenbacher. Für Wohngebäude und kleine, technisch einfache Bürogebäude gibt es zum Beispiel das Instrument des Gebäudeenergieausweises der Kantone (GEAK). Online können die Daten eines Gebäudes in einem ersten Schritt selber eingegeben werden. So erhält man eine grobe Übersicht, wie effizient das Gebäude ist. Ein zweiter Schritt könnte der Gang zum GEAK-Experten sein. Der Experte macht eine Hausbesichtigung, schaut sich die Hauspläne und die Energierechnungen der letzten Jahre an und bewertet damit den Zustand der Gebäudehülle und der Haustechnik.

Bevor Investitionen vorgenommen werden, sollte eine energetische Betriebsoptimierung (BO) durchgeführt werden. «Die BO ist eine finanziell sehr attraktive Massnahme, in der Regel werden Payback-Zeiten unter zwei Jahren erreicht. Mit der BO werden die Anlagen durch einen Spezialisten auf die optimale Energieeffizienz eingestellt – ohne Komforteinbusse», erläutert Adrian Grossenbacher. Eine solche Massnahme könnte zum Beispiel sein, die Betriebszeiten von Lüftungsanlagen den Arbeitszeiten der Mitarbeitenden anzupassen oder die Beleuchtung mittels Präsenzsteuerung so einzustellen, dass das Licht nur brennt, wenn jemand anwesend ist.

Bei neuen Gebäuden sieht die Situation anders aus. «Die Neubauten sind nicht das Problem der Zukunft, sofern wir heutige Neubauten wirklich zukunftsfähig mit in einem sehr tiefen Primärenergieverbrauch realisieren. Die gesetzlichen Bestimmungen der Kantone für Neubauten sind heute schon streng und gewährleisten tiefe Betriebsenergieverbräuche», sagt Marianne Stähler.

Real estate agent with house key

Zur Planung eines Neubaus – um die entsprechend nachhaltigen Materialen und Techniken zu wählen, kann zum Beispiel auf die Merkblätter von eco-bau zurückgegriffen werden. Hier werden die Ökobilanzdaten im Baubereich aufgeführt. «Beim idealen, energieeffiziente Bürogebäude ist die Grundlage das ideale Zusammenspiel aus Energieverbrauch und Energieherkunft. Ob das mit Low-Tech oder High-Tech erreicht wird, ist eine Frage der Möglichkeiten am Standort und der Einstellung des Bauherrn und der Nutzer», erklärt Barbara Beckmann.

Adrian Grossenbacher wünscht sich für die Zukunft sogenannte «Plusenergiegebäude» oder Gebäude, die nach dem Standard «Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS» (Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz) gebaut werden: Das Gebäude wird dann mit höchster Energieeffizienz (Gebäudehülle und Gebäudetechnik) und erneuerbaren Energien betrieben. Und Marianne Stähler ergänzt: «Zukunftsfähige Gebäude sind ganzheitlich nachhaltig. Sie entsprechen sowohl gesellschaftlich, wie wirtschaftlich und ökologisch den Zielen einer Gesellschaft, die langfristig denkt.»