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Nicht überall sind die Löhne gerecht verteilt

Grosse Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Schweiz

Human Resources In der Schweiz besteht immer noch ein beträchtlicher Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen. Dieser kann nur teilweise begründet werden. Aber nicht nur zwischen den Geschlechtern besteht ein zum Teil unfairer Lohnunterschied.

Leslie Haeny

Leslie Haeny

Fakten zum Lohnunterschied

In der Schweiz gibt es grosse Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, aber auch zwischen viel-Verdienern und schlecht Entlöhnten. Die wichtigsten Fakten und Zahlen:

  • Frauen verdienen durchschnittlich 20% weniger als Männer.
  • Viel Frauen arbeiten in Tieflohn-Berufen.
  • Jeder achte Schweizer verdiente 2013 weniger als 3000 Franken pro Monat.
  • Das durchschnittliche Lohnniveau ist in den letzten zehn Jahren immer leicht gestiegen.

In der Bundesverfassung ist festgehalten, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind und Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit haben. Trotzdem verdienen Frauen in der Schweizer Privatwirtschaft rund 20 Prozent weniger, als ihre männlichen Kollegen. Besonders gross sind die Lohnunterschiede im höheren Kader: Frauen erhalten hier durchschnittlich beinahe 2000 Franken weniger als Männer.

Ein Teil des Verdienstunterschiedes lässt sich laut Bundesamt für Statistik auf objektive Faktoren zurückführen. So arbeiten Frauen oft in Berufen mit tiefen Lohnniveaus, haben eine schlechtere Ausbildung oder sind Teilzeitangestellte. Auch Arbeitsunterbrüche aufgrund von Familienplanung können dazu beitragen, dass Frauen weniger verdienen.

Arbeit Frau Mann

«Die Arbeit von Frauen wird als weniger wertvoll betrachtet»

Wenn all diese Faktoren berücksichtigt werden, gibt es doch noch einen Verdienstunterschied von fast zehn Prozent, der sich nicht erklären lässt. Corinne Schärer, Geschäftsleitungsmitglied der Unia, meint dazu: «Die Arbeit von Frauen auch wenn es gleiche oder gleichwertige Arbeit ist, wird als weniger wertvoll betrachtet.» Das sei Lohndiskriminierung, welche nach dem Gleichstellungsgesetzt verboten sei.

Auch für Professor Markus Huppenbauer, Experte für Umwelt- und Wirtschaftsethik von der Universität Zürich, stellt die unbegründbare Lohndifferenz einen Verstoss gegen das Gleichstellungsgesetz dar. «Wenn empirisch betrachtet Leute nur aufgrund ihres Geschlechts weniger verdienen als andere, ist das Diskriminierung»

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Jeder achte Schweizer verdient weniger als 3000 Franken

Nicht nur zwischen Männern und Frauen gibt es zum Teil grosse Verdienstunterschiede. 2013 verdiente jeder achte Schweizer weniger als 3000 Franken pro Monat und lebt somit unter der Armutsgefährdungsschwelle. Während oftmals versucht wird, den gerechten Lohn als Zahl festzuhalten, wie Beispielsweise mit der Mindestlohninitiative 2014, sehen Wissenschaftler einen fairen Lohn als Kombination verschiedener Faktoren.

«Es ist sehr wichtig, dass die Führungsetage Feedbacks von Mitarbeitern, in Bezug auf die Angemessenheit der Löhne ernst nimmt.»

Für Markus Huppenbauer setzt sich ein fairer Lohn vor allem aus drei unterschiedliche Komponenten zusammen: Jede Leistung braucht eine angemessene Rückleistung. Die geleistete Arbeit muss also entsprechend kompensiert werden. Ausserdem ist ein branchenweiter Vergleich wichtig. «Gewisse Unterschiede zwischen den Branchen sind allerdings immer gegeben.» Als drittes müssen die Löhne betriebsintern miteinander abgestimmt werden. «Es ist sehr wichtig, dass die Führungsetage Feedbacks von Mitarbeitenden, in Bezug auf die Angemessenheit der Löhne ernst nimmt.» Alle Mitarbeitenden sollten einen fairen Anteil am Unternehmenserfolg erhalten.

Markt

«Löhne fallen nicht vom Himmel»

Der Ethiker gibt aber auch zu bedenken, dass Unternehmen immer einem gewissen Druck von aussen ausgesetzt sind. «Der Marktlohn entspricht nicht immer einem ethisch anständigen Lohn.» Huppenbauer glaubt allerdings, dass es in vielen Unternehmen noch finanziellen Spielraum gibt. Wenn man diesen optimal ausnutzt, sollte es auch möglich sein, den Mitarbeitern faire Löhne zu zahlen. Man müsse sich aber bewusst sein, dass gewisse Lohnunterschiede normal und auch ethisch legitim seien.

«Die Interessen von Arbeitnehmenden können gemeinsam besser vertreten werden.»

Auch Corinne Schärer von der Unia ist sich sicher, dass es möglich wäre, allen Schweizerinnen und Schweizern einen gerechten Verdienst zu ermöglichen. «Das hängt vom politischen Willen ab. Löhne fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis eines Aushandelns und Verhandelns.» Sie ist jedoch der Meinung, dass das Vereinbaren eines gerechten Lohns nicht jedem einzelnen überlassen werden sollte. «Die Interessen von Arbeitnehmenden können gemeinsam besser vertreten werden.»

Gesetzlich festgelegte Mindestlöhne

Die Unia setzt sich darum für differenzierte Mindestlöhne nach Qualifikationen ein. «Gut wäre ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn, zurzeit ist dieser allerdings nicht mehrheitsfähig», sagt Schärer. Es sei deshalb umso wichtiger, Mindestlöhne in den Gesamtarbeitsverträgen festzulegen. Auch gegen die Lohndiskriminierung von Frauen setzt sich die Unia ein.

«Ausserdem müssen Betriebe ihre Löhne regelmässig auf Lohndiskriminierung überprüfen»

Bei der Bekämpfung von Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen sieht die Gewerkschaft in transparenten Lohnsystemen eine Lösung. Diese würden einer willkürlichen Festlegung der Löhne verhindern. «Ausserdem müssen Betriebe ihre Löhne regelmässig auf Lohndiskriminierung überprüfen», sagt das Geschäftsleitungsmitglied.

Statistik BfS

Ein Tool zur Lohnüberprüfung

Eine einfache Möglichkeit um zu überprüfen, ob die betriebsinternen Löhne fair angesetzt sind, liefert das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau (EBG). Das Selbsttest-Tool Logib soll Arbeitgebern helfen, unerklärbare Lohnunterschiede zu erkennen. Das Tool kann auf der Website des EBG gratis heruntergeladen werden.

Es gibt aber auch gute Nachrichten, was die Löhne in der Schweiz angeht. Das durchschnittliche Lohnniveau ist in den letzten zehn Jahren immer leicht gestiegen. Auch 2016 kann wieder mit einem leichten Lohnanstieg gerechnet werden. Für Arbeitnehmerinnen gibt es ebenfalls gute Nachrichten: Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen ist, laut Bundesamt für Statistik, seit dem Jahr 2000 leicht kleiner geworden.